Zum Buch:
Eau de Cologne gibt es bekanntlich schon seit sehr langer Zeit, die halbe Welt benutzt es vielleicht tagtäglich, und die andere Hälfte weiß zumindest, worum es sich dabei handelt. Aber Hand aufs Herz, hätten Sie gewußt, daß dieses berühmte Duftwasser eigentlich als Mittel gegen die Pest erfunden wurde? Man glaubte früher, daß es sich bei dem Hauptverursacher der schrecklichen Krankheit um sogenannte Miasmen handelte, Verunreinigungen in der Luft also. Deshalb auch das Duftwasser. Andere sahen darin vor allem etwas wie einen göttlichen Fluch, verursacht durch die Verletzung der Gebote, etwa wenn der Mensch durch eine falsche Lebensweise das Gleichgewicht seiner Säfte in Unordnung gebracht hatte. So muß es wohl den Frauen aus Speyer ergangen sein, denen man 1356 verboten hatte, weiterhin Männerkleidung zu tragen, weil diese neue Mode durch das Überschreiten der natürlichen Geschlechtergrenzen moralische Gebote verletze und Gottes Bestrafung nach sich ziehe. Wie z.B. die Pest. Der schwarze Tod, Pestilencia maxima, eben die Mutter aller Heimsuchungen. In der Frühzeit bezeichnete man mit dem Wort Pest noch eine Vielzahl verschiedener Seuchen, Cholera, Lepra, oder den Ausfluß des Bauches. Heute weiß man, womit man es zu tun hat. Im Grunde ist die Pest gar keine Menschenkrankheit, vielmehr wird sie von pestkranken Nagetieren, in der Regel von gewöhnlichen Hausratten (Rattus rattus) übertragen, genauer gesagt, von deren pestkranken Flöhen (Xenopsylla cheopis). Im Jahre 1894 entdeckte dann ein Schweizer Arzt, Alexandre Yersin, immerhin Schüler des großen Pasteur, irgendwo in Hongkong den Übeltäter und nannte ihn der Einfachheit halber Yersinia pestis. Soviel zum sachlichen Teil. Nun, es gibt Sachbücher, und es gibt Sachbücher. Dieses hier zähle ich eher zu den Sachbüchern. Es ist kein reines Nachschlagewerk, das eben nicht, vielmehr läßt es sich lesen. Gut lesen sogar. Die bemerkenswerte, eindrucksvolle Darstellung eines Menschheitstraumas, zusammengetragen von Historikern und Medizinern, die sich mit allen erdenklichen Aspekten zum Thema auseinandersetzen, von den Anfängen der Pestdefinitionen bis hin in unser aufgeklärtes Zeitalter. Werden wir heute in den Medien vor bevorstehenden Pandemien mehr oder weniger gewarnt, dann denken wir normalerweise an Vogelgrippe, Ebola, SARS oder Aids. Aber nach wie vor werden wir ein unübersehbares Heer von Nagern, angefangen von asiatischen Murmeltieren bis hin zu nordamerikanischen Eichhörnchen als potentielle Pesterreger ansehen müssen, und da wird uns auch kein Kölnisch Wasser helfen können. Axel Vits, Der andere Buchladen Köln