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Cover: Zukunft braucht Weisheit

Empfehlung von
Larissa Siebicke, Autorenbuchhandlung Marx & Co, Frankfurt am Main

Helga Nowotny

Zukunft braucht Weisheit

Es sei keine Autobiografie, die sie hier geschrieben habe, betont die Autorin von Zukunft braucht Weisheit, obschon die Etappen und Wendungen ihres beeindruckenden wissenschaftlichen und persönlichen Werdegangs die Struktur des Buches bestimmen. Die heute fast 90-jährige Helga Nowotny gilt als die Grande Dame der Wissenschaftsforschung in Europa. Nach der Lektüre des hier empfohlenen Buches ist man der Unterscheidung von Wissen und Weisheit einen großen Schritt nähergekommen.

Statt die Laufbahn als Juristin weiterzuverfolgen, die Nowotny als junge Frau in Wien eingeschlagen hatte, folgte sie ihrem Mann nach New York und wagte einen Neuanfang in der Soziologie, was sie nach eigenen Worten nie bereute. Dieser Neuanfang ermöglichte ihr den Eintritt in eine „intellektuell faszinierende Welt, in der es um das Entdecken und Verstehen gesellschaftlich höchst unterschiedlicher Phänomene und Prozesse geht.“

Nowotnys intensive Beschäftigung mit der Interaktion zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik erlebte sie oftmals als Grenz- oder sogar Gratwanderung. Eine präzise Beobachtungsgabe, gepaart mit außergewöhnlicher intellektueller Offenheit, begründete ihre Ausnahmekarriere. Sie beschäftigte sich mit wissenschaftlichen Kontroversen, Utopien und Dystopien, Geschlechterverhältnissen in den Wissenschaften und dem Druck der Forschungsförderung. Ein weiteres ihrer großen Themen war und ist Zeit (u.a. Eigenzeit, Suhrkamp, 1989), die Entwicklung gesellschaftlichen Zeitempfindens und die Fragmentierung einer gemeinsamen Zeitgrundlage durch Digitalisierung und soziale Medien. Intensiv erforscht sie darüber hinaus seit Jahren die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf unsere Gesellschaft und die damit einhergehende Reproduktion von Machtstrukturen (u.a. Die KI sei mit euch. Macht, Illusion und Kontrolle algorithmischer Vorhersage, Matthes & Seitz, 2023). Immer wieder verneigt sich Nowotny vor der Kraft der Ungewissheit und Unberechenbarkeit der Zukunft, die sie der vermeintlichen Berechenbarkeit durch Algorithmen mit Grund vorzieht.  

Selten erzeugen Fußnoten wirkliche Neugier, doch in diesem Buch überträgt sich Nowotnys eigener Forschungsdrang und regt uns Lesende in den verschiedensten Bereichen zum lustvollen Weiterdenken an. Unabhängig davon, ob Nowotny die Allmachts- und Unsterblichkeitsfantasien einiger CEOs im Silicon Valley überzeugend mit dem Gilgamesch-Epos in Verbindung bringt oder ob sie sich im Epilog mit ihrer Enkelin, der Sängerin und Soziologin Isabel Frey unterhält, immer geht es auch darum, weiter- und über den heutigen gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Konsens hinauszudenken.

Zukunft braucht Weisheit ist viel mehr als das Zeugnis eines erstaunlichen wissenschaftlichen Lebens. Es ist die enorm lesenswerte Anleitung einer außergewöhnlichen Frau für mögliche Wege zur Transformation von Wissen zu Weisheit und richtet sich an alle, die vermeintliche gesellschaftliche Gewissheiten zu hinterfragen bereit sind. Es könnte nämlich alles auch ganz anders sein …

Verlag
Matthes & Seitz Berlin
Erscheinungsdatum
15.01.2026
ISBN/EAN
978-3-7518-2077-6
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
300
Preis
24,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Helga Nowotny, 1937 in Wien, ist emeritierte Professorin der ETH Zürich. Ihre interdisziplinären Forschnungsschwerpunkte bewegen sich im Feld der Wissenschaftsforschung. Für 2018 wurde Nowotny die Leibniz-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zugesprochen.

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