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Autor
Minkmar, Nils

Das geheime Frankreich

Untertitel
Geschichten aus einem freien Land
Beschreibung

Das Buch Das geheime Frankreich, das bereits im Oktober 2017 erschien, trägt den Untertitel Geschichten aus einem freien Land. Nils Minkmar, Historiker und Journalist, analysiert in diesem Buch klug und mit viel Hintergrundwissen, wovon sich die „Grande Nation“ befreien müsste, um die nationale Kultur zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Als Kind deutsch-französischer Eltern besitzt er genügend Kenntnisse und ausreichend Abstand für seinen deutschen Blick auf das Französische, wobei er erfreulicherweise viel mehr beschreibt als bewertet.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
S. Fischer Verlag, 2017
Format
Gebunden
Seiten
208 Seiten
ISBN/EAN
9783103972955
Preis
22,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Nils Minkmar, 1966 in Saarbrücken geboren, besitzt einen deutschen und einen französischen Pass. Während des Studiums an der Universität des Saarlandes amtierte er zwei Semester als AStA-Präsident. Später wandte er sich der historischen Anthropologie der frühen Neuzeit zu, besuchte Pierre Bourdieus Doktorandenseminar und promovierte 1996 in Neuer Geschichte mit einer Arbeit über Ehrenkonflikte im frühneuzeitlichen Colmar. 1997 wurde er Redakteur der ZDF-Sendung »Willemsens Woche« in Hamburg. Danach folgte eine Phase als freier Journalist mit Texten für die »Süddeutsche Zeitung«, »Geo« und »Merian«. 1999 Berufung zum Redakteur der »Zeit«, erst ins Feuilleton, dann ins Wissens-Ressort, mit Zuständigkeit für die Medienseite. Seit Juli 2001 Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Gründungsmitglied der Deutschen Montaigne Gesellschaft.

Zum Buch:

Das Buch Das geheime Frankreich, das bereits im Oktober 2017 erschien, trägt den Untertitel Geschichten aus einem freien Land. Nils Minkmar, Historiker und Journalist, analysiert in diesem Buch klug und mit viel Hintergrundwissen, wovon sich die „Grande Nation“ befreien müsste, um die nationale Kultur zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Als Kind deutsch-französischer Eltern besitzt er genügend Kenntnisse und ausreichend Abstand für seinen deutschen Blick auf das Französische, wobei er erfreulicherweise viel mehr beschreibt als bewertet.

Wie schwer sich auch unser Nachbarland mit der gesellschaftlichen und politischen Erneuerung tut, obwohl die sozialen und interkulturellen Spannungen nicht erst seit dem Attentat auf Charlie Hebdo offensichtlich sind, arbeitet Minkmar aus seiner binationalen Perspektive heraus auf. Eigene journalistische Erfahrungen im Umgang mit der französischen Medienwelt, berufliche und freundschaftliche Begegnungen mit Personen des politischen und öffentlichen Lebens fließen hier ebenso ein wie seine Kenntnis der entsprechenden historischen Hintergründe. Es gelingt ihm, so unterschiedliche Themen wie den Kolonialismus mit seinen diversen Auswirkungen und beispielsweise den enormen Stellenwert und die Aussagekraft des Essens innerhalb der französischen Gesellschaft nebeneinander zu thematisieren, ohne in seinen Beschreibungen beliebig zu werden. Sehr persönliche Anekdoten verknüpft er mit einer Aufzählung der eher übergeordneten Unterschiede zwischen französischer und deutscher Kultur. Er macht aufmerksam auf Unterschiede gesellschaftlicher Codes, die auch einem frankophilen Leser noch neue Perspektiven eröffnen. Interessant wäre, wie eine Analyse der deutschen Eigenheiten aus Minkmars französischer Perspektive aussähe. Wenn man ihm Glauben schenkt, würde eine solche Kulturanalyse wohl weitaus höflicher uns gegenüber ausfallen, also vor allem weniger offen.

Fündig wird in diesem Buch darüber hinaus, wer dem dauer-düsteren Blick Houellebecqs gerne etwas französische Hoffnung entgegensetzen will. Die junge und immer stärker anerkannte Philosophin Cynthia Fleury und das gelungene Experiment partizipativer Demokratie im Örtchen Saillans im Departement Drôme, dessen Bürger ihren ehemaligen Bürgermeister zum Nachtwächter gemacht haben, sind nur zwei der ermutigenden Beispiele, die Minkmar ins Feld führt.

Das vorliegende Werk macht Lust, tiefer in die Seele unseres Nachbarlandes einzutauchen, wobei die Literatur hierbei natürlich eine zentrale Rolle spielen kann. Ganz allgemein schärft Das geheime Frankreich den Blick des Lesers für die oft subtilen, aber wichtigen Unterschiede zwischen Kulturen. Bei einer Reise nach Afrika oder Asien wäre uns dieser Unterschied bewusst und wir wären vorsichtiger mit unserer deutschen Art im gesellschaftlichen Miteinander. Dass ein solch achtsamer Umgang mit anderen aber bereits bei einer uns viel näher stehenden Kultur wie der französischen angebracht ist, wissen wir spätestens nach der Lektüre des hier empfohlenen Buchs. Vielleicht wurde Minkmar auch deshalb 2012 als Kulturjournalist des Jahres ausgezeichnet.

Larissa Siebicke, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt