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Cover: Glaszeit

Empfehlung von
Fabian Kemp, Autorenbuchhandlung Marx & Co, Frankfurt am Main

Leh-Wei Liao

Glaszeit

Roman. Auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2026

Leh Wei Liaos Debütroman Glaszeit beginnt in Taipei, als die Protagonistin Novana auf einem Werbedisplay ihre Mutter entdeckt – eine neue Ausstellung von ihr wird angekündigt. Erinnerungen werden wach, und in Rückblicken erzählt Novana von ihrer Kindheit in Deutschland. Von der prägenden Erziehung der Mutter, einer erfolgreichen Künstlerin, im Roman meist nur M. genannt, die ihre Tochter allein in Köln großzieht. Im Alter von 12 Jahren verlässt M. Novana und lässt sie allein zurück. 

Novana kommt zu den Eltern ihres besten und später auch ersten festen Freundes Theo. Sie wird Ärztin, will mit ihm in Deutschland zusammenziehen, ein Haus kaufen, ein stabiles, sicheres Leben führen. Sie bekommt jedoch Angst vor dem großen Schritt, fühlt sich zu zerrissen durch die kaputte Beziehung zu ihrer Mutter die mittlerweile in Taiwan lebt. Novana flieht nach Taiwan und nimmt sich allein ein Appartment.

Dort arbeitet sie nun als Ärztin auf einer Neugeborenenstation. Ihr Alltag ist durch den Kampf um die zerbrechlichen Leben der Frühchen und den unterschiedlichen Umgang der Eltern damit geprägt. Manche geben die Kinder auf, kommen nie zu Besuch oder nur, um sich für immer von den Kindern zu verabschieden, andere besuchen sie jeden Tag und bangen um ihr Leben. Zum Einschlafen hört sie einen Podcast von Theos Vater, der ebenfalls Arzt ist. Sie schämt sich für ihre Flucht, Gewissensbisse plagen sie. Obwohl sie sich nach der Nähe von Theo und seiner Familie sehnt, ist ihr bewusst, dass die emotionale Distanz zu groß ist um zurückzukehren.

Sie lernt Sihan kennen, eine junge Aktivistin, die für die Unabhängigkeit Taiwans eintritt und gegen den zunehmenden Einfluss Chinas auf das Land protestiert. Es entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Sihan nimmt Novana mit zu Aufklärungsarbeiten gegen Chinas Desinformationskampagnen. 

Über allem schwebt aber die neue Ausstellung der Mutter. Novana will sie besuchen, will mit ihrer Mutter sprechen und verstehen, warum sie sie zurückgelassen hat, will sich dem aussetzen, was ihre Mutter ausstellt, und der Tatsache, dass diese nie Mutter werden wollte. 

Leh Wei Liao beschreibt in präziser Sprache die Beziehung einer Tochter zu ihrer Mutter, von der sie nie gewollt wurde. In diesen Handlungsstrang, der den Roman prägt, verwebt Liao weitere Themen. So kann man das Buch auch als moderne queere Liebesgeschichte lesen oder als politischen Roman über das Verhältnis Taiwans zu China. Glaszeit ist ein sprachlich wie inhaltlich beeindruckender Debütroman. 

Verlag
Luchterhand
Erscheinungsdatum
2026
ISBN/EAN
978-3-630-87839-3
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
288
Preis
24,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Leh-Wei Liao [ˈlə wɛɪ̯ liaʊ̯], geboren 1993 in Göttingen, ist Ärztin und studiert zurzeit Bildende Kunst in Kassel. Seit 2022 schreibt sie und hat seither in zahlreichen Literaturzeitschriften veröffentlicht, u.a in »Jenny« und »Edit«. 2024 war sie Stipendiatin der Jürgen Ponto-Stiftung und der Kölner Schmiede. »Glaszeit« ist ihr erster Roman.

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