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Cover: Tieftiefblau

Empfehlung von
Susanne Rikl, München

Nikki Dekker

Tieftiefblau

Roman. Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing

Tieftiefblau wird der Ozean, je weiter die Pottwale abtauchen, zu dunkel, als dass der Mensch dort noch etwas sehen könnte. Ebenso abgründig ist der Blick in unser eigenes Selbst, das wir ein Leben lang erforschen und in dem wir immer wieder Neues, Überraschendes entdecken – wie die Meeresforscher im Dunkel der Ozeane. Nikki Dekker lässt ihre Ich-Erzählerin durch Zeiten von Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter kreisend den eigenen Träumen und dem Wunsch nach authentischer Gestaltung ihres (Liebes-) Lebens nahe und immer näher kommen. Die Welt der Meere und ihrer Bewohner erweist sich auf der Suche nach der eigenen Lebenswelt als Freiraum: Nichts ist so vielfältig und so wenig normativ wie die Natur und ihre Geschöpfe.

Hetero ist die Norm in menschlichen Beziehungen, homo ist schon nicht mehr so normal und Polyamorie erst recht nicht. Das alles lernen wir im Heranwachsen, nicht aktiv, es wird uns vorgelebt. Wie dann die eigene Lebensform finden, die passt, ohne anzuecken, wenn sie von der Norm abweicht?

Die Natur macht uns klar, dass wir frei sind und uns diese einengenden Gesetze selbst auferlegen: Da sind die Anemonenfische, die in Gruppen leben und bei denen sich Männchen nach Bedarf in Weibchen verwandeln. Oder Orkas, Grauwale, männliche Seekühe und Tümmler: Sie spielen zusammen, haben homosexuelle Beziehungen und bleiben ihrem männlichen Freund auch nach der Paarung mit einem Weibchen zutiefst verbunden.

Wir Menschen glauben seit jeher, über den Tieren zu stehen. Dabei könnten wir eine ganze Menge von der Tierwelt in Sachen open mind lernen. Schließlich haben wir uns die Alleinstellungsmerkmale „Mensch“ und „Herrschaft“ selbst gegeben, gehören aber de facto zu den Säugetieren.

Dekkers Ton ist schwebend, leicht und dennoch präzise, eine Mischung aus Autofiktion und Nature writing. Sie formuliert aber auch, was sie mit diesem Roman will: Sachen aufschreiben, „die unwichtig erscheinen. Winzigkeiten, die aber scheuern und stechen und brennen.“ Es sind die kleinen Dinge, die die Liebe so kompliziert und verletzlich machen, der schräge Blick, in dem die gesellschaftliche Norm lesbar wird. Dekker setzt sich darüber hinweg: „… ich lasse mir von niemandem mehr vorschreiben, was Liebe angeblich alles nicht kann.“

Und selbst wenn es am Ende des Buches heißt, dass der Horizont, der „Ort, an dem der Unterschied zwischen dem einen und dem anderen wegfällt“, nie näher kommt – mit diesem Buch ist er lichter geworden, für alle.

Verlag
Residenz
Erscheinungsdatum
10.08.2026
ISBN/EAN
978-3-7017-1826-9
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
312
Preis
26,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Nikki Dekker, geboren 1989, ist Schriftstellerin, Redakteurin und Radiomacherin. Sie publizierte u. a. in zahlreichen niederländischen Literaturzeitschriften und trat bei Poesiefestivals auf. 2018 veröffentlichte sie den Essay- und Gedichtband „een voorwerp dat nog leeft“ (dt. „ein Gegenstand, der noch lebt“). Ihr Debütroman „Diepdiepblauw“ (2022) wurde mit dem C.C.S. Cronestipendium ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für De Bronzen Uil, den Preis für den  besten Debütroman in den Niederlanden, sowie auf der Longlist für den De-Boon-Preis und den Hebban-Debütpreis. 2024 erschien ihr zweiter Roman „Graafdier“ (dt. „Grabetier“). Im Residenz Verlag erschienen: "Tieftiefblau" (2026). 

Lisa Mensing, geboren 1989, übersetzt niederländischsprachige Literatur und moderiert Lesungen. Sie hat u.a. Werke von Gaea Schoeters, Frank Martinus Arion, Gerda Blees, Sacha Bronwasser und Connie Palmen ins Deutsche übertragen. 2024 erhielt sie den Förderpreis des Literaturpreises der Kunststiftung NRW – Straelener Übersetzerpreis für die Übersetzung von Caro Van Thuynes „Birkenschwester“.

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