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Cover: Zeit des Zorns

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

Günter Franzen

Zeit des Zorns

Tagebuch einer Trauer

1992 begegnet Günter Franzen seiner Frau zum ersten Mal und er ist auf der Stelle für sie entflammt. Es dauert fünf Jahre, bis aus dieser ersten Begegnung eine verbindliche Beziehung wird. Der Schriftsteller und Therapeut ist sich sicher: er hat endlich die Liebe seines Lebens gefunden. Zwölf Jahre später ist er wieder allein. Seine Frau ist an Lungenkrebs gestorben, hat ihn und die gemeinsame Tochter zurückgelassen.

Im vergangenen Herbst erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Interview mit ihm und Dörthe Kaiser-Hondrich. Beide wurden zum Sterben und zum Tod ihrer Lebenspartner befragt. Franzen erhielt daraufhin die Anfrage des Kreuz Verlags, ob er dieses Thema zum Buch erweitern wolle.

„Zeit des Zorns“ ist kein in sich geschlossener Text. Er ist in kurze Abschnitte gegliedert, beginnt mit der Abschiedsrede, die Franzen auf der Beerdigung gehalten hat, und folgt dann, unterbrochen von Erinnerungen, chronologisch der Zeit bis ins jetzt. Franzen beschreibt die Ungeheuerlichkeit, die dieser Tod für ihn bedeutet. Er ist weder fähig noch willens, etwas „Richtiges“ darin zu sehen, er kann und will sich nicht trösten lassen. Weder durch – mal mehr, mal weniger – gut meinende Freunde noch durch fadenscheinige Hilfsangebote, Religion oder Philosophie.

Erinnerungen an das gemeinsame Leben, an die eigene Kindheit, ein zum Teil sehr komisch zu lesender Bericht vom Aufenthalt in einer Reha-Klinik, Gedanken über Glauben und Gott – das Buch berührt so ziemlich alles, was mit dem Verlust zu tun hat, und der gnadenlose Blick, den der Autor auf die Welt, auf die Menschen, aber auch auf sich selbst wirft, ist heftig. Einzig die Sorge um die Tochter, die für ihre Jugend erstaunlich reif und abgeklärt wirkt, scheint in dieser Zeit eine verbindliche Konstante in seinem Leben zu sein.

Beklemmend ist die Beschreibung des Sterbeprozesses. Kein Weichzeichner, keine sanfte Begleitmusik. Quälend und schmerzhaft ist der Weg seiner Frau in den Tod. So sehr, dass Franzen die Tochter bei Freunden unterbringt und die letzten Tage allein mit der Sterbenden verbringt.

Aber es gibt auch einen versöhnlichen Abschnitt: ein Jahr nach dem Tod reisen Vater und Tochter im Sommer zu einem befreundeten Paar und deren Tochter in ein Ferienhaus in Südfrankreich. Zu Menschen, die ihn so lassen können, wie er grade ist, die die beiden selbstverständlich in ihr Leben mit einbeziehen. Und da scheint etwas wie Frieden auf.

„Zeit des Zorns“ ist keine leichte Lektüre. Es hat mich nachdenklich gemacht - und tut es noch. An einigen Stellen hat es mich erbost, es hat mich zum Lachen gebracht und zu Tränen gerührt – kalt gelassen hat es mich nie. Der Text verweigert sich schnellen Urteilen, und er ist unbequem. Ich wünsche ihm viele unerschrockene Leser.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Kreuz Verlag
Erscheinungsdatum
2011
ISBN/EAN
978-3-451-61042-4
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
180
Preis
18,95 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Günter Franzen, geboren 1947, langjähriger Gruppenanalytiker, lebt als Schriftsteller in Frankfurt am Main. Er veröffentlicht unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und das Deutschlandradio. Zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays.

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