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Cover: Unorthodox

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

Deborah Feldman

Unorthodox

Aus dem Englischen von Christian Ruzicska

Deborah wächst im New Yorker Stadtteil Williamsburg bei ihren Großeltern auf. Ihr Vater ist ein psychisch gestörter Sonderling und kümmert sich nicht um das Kind, die Mutter hat die Familie verlassen, als das Mädchen noch klein war. Das würde reichen, ein Kind zu verunsichern. Aber Deborahs Familie gehört zur Satmarer Gemeinde, einer ultraorthodoxen chassidischen Sekte, und dort ist weniger das Verhalten des Vaters, der durch die Straßen stromert und von Gelegenheitsjobs und der Wohltätigkeit anderer lebt, skandalös, als das der Mutter, die sich von der Gemeinde losgesagt hat. Deborah ist mit einem Makel behaftet, den das aufgeweckte, kritische Mädchen ständig zu spüren bekommt.

Die Satmarer Gemeinde entstand nach dem zweiten Weltkrieg, und viele der älteren Mitglieder, wie auch Deborahs Großeltern, sind Überlebende des Holocaust. Für ihren Rabbi ist alles, was den Juden angetan wurde, eine Strafe Gottes. Assimilation und Zionismus hätten die Menschen von Seinem Weg abgebracht, und nur die strengste Einhaltung sämtlicher Gebote der Tora – und noch jede Menge neu dazugekommener – könne verhindern, dass diese Strafe erneut über die Menschen kommt. Das gesamte Leben ist reglementiert. Beten, arbeiten, schlafen, essen, Kleidung, Liebe, Ehe, Sex. Gesprochen wird ausschließlich Jiddisch, „Weltliche“ Bildung gilt als verderblich – für Mädchen noch mehr als für Jungen. Kleinste Abweichungen vom genormten Verhalten führen zu Ermahnungen und Strafen.

Deborah hat einen wachen Geist, ihr fallen die Widersprüche und die Scheinheiligkeit ihrer Umgebung auf und fordern ihren Widerstand heraus. Sie hat kaum Freundinnen und in der Schule, in der überwiegend gebetet wird, langweilt sie sich. Heimlich bessert sie ihre rudimentären Englischkenntnisse auf und beginnt, verbotene englische Bücher zu lesen. Ihr Horizont weitet sich, und der Spalt zwischen ihren Wünschen an das Leben und dem vorhersehbaren Weg als Ehefrau und Mutter vieler Kinder wächst mit dem Älterwerden. Als sie 18 Jahre alt ist, sucht die Familie, wie es üblich ist, einen Ehemann für sie. Aber das Leben als verheiratete Frau bringt keine neuen Freiheiten, Ehe und Sexualität werden zu einer neuen Qual. Deborah bekommt ein Kind, und der Gedanke, dass ihr Sohn im Alter von drei Jahren von ihr weg und in die „Obhut“ der Männer kommen wird, die ihn zu einem gläubigen Chassiden erziehen werden, ist für sie nicht auszuhalten. Irgendwann hat sie genug Mut angesammelt, um den Weg in ein anderes, eigenes Leben zu gehen.

Deborah Feldman hat ihre eigene Lebensgeschichte erzählt. Die junge Autorin lebt heute mit ihrem Kind in Berlin. Ihr Buch – das in Amerika sofort auf die Bestsellerlisten kam – ist eine unglaublich packende Lektüre. Der Text ist im Präsens geschrieben, das verleiht dem Geschehen eine große Unmittelbarkeit, und die Sprache ist ungemein lebendig und kraftvoll. Ohne in einen falschen Tonfall zu verfallen, schildert Feldmann die Gedanken- und Gefühlswelt des kleinen Mädchens genauso plausibel wie den zunehmenden inneren Widerstand der jungen Frau, die erst dann einen Ausbruch aus ihrem Gefängnis wagt, als es buchstäblich um Leben und Tod geht.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Secession Verlag für Literatur
Erscheinungsdatum
2016
ISBN/EAN
978-3-905951-79-0
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
319
Preis
22,00 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Deborah Feldman wuchs in der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, auf. Ihre Muttersprache ist Jiddisch. Sie studierte am Sarah Lawrence College Literatur. Ihre autobiographische Erzählung »Unorthodox« erschien 2012 bei Simon & Schuster und war auf Anhieb ein spektakulärer New York Times-Bestseller mit einer Millionenauflage. 2014 folgte ebenso Aufsehen erregend »Exodus« bei Pinguin. Heute lebt die Autorin als Schriftstellerin mit ihrem Sohn in Berlin.

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