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Cover: Schnee in Amsterdam

Empfehlung von
Susanne Rikl, München

Bernard MacLaverty

Schnee in Amsterdam

Roman. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser

Gerry und Stella Gilmore aus Glasgow treten eine Mittwinterreise nach Amsterdam an. Das Taxi kommt ein wenig zu spät, aber sie schaffen es zum Flieger, und noch bevor sie beim Start in ihre Sitze gedrückt werden, kennt man das ältere Ehepaar schon recht gut. Trotzdem warten auf beide – und auch auf die Leserinnen und Leser– ebensoviele Überraschungen, wie zwei Leben eben bereithalten. Diese Spannung zwischen übergroßer Vertrautheit und vermeintlich und tatsächlich Verborgenem bleibt bis zum letzten Satz des schlichten, meisterhaften Romans.

Stella liebt Karamellbonbons. Als sie sich in Gerry verliebte, war sie eine junge Englischlehrerin an der Gesamtschule für Mädchen in Belfast. Die beiden hatten sich bei einem Tanztee in einem katholischen Tennisclub kennengelernt. Gerry war damals einer der wenigen, die ein Auto besaßen, und lud Stella zu einer Spazierfahrt über Waterfood nach Ballycastle ein. Der Architekt beeindruckte die junge Lehrerin, mittlerweile sind sie schon seit mehr als 20 Jahren verheiratet. Jetzt, auf dem Glasgower Flughafen, muss sich Gerry erst mal eine Flasche Whisky besorgen, für die nächsten Tage. Die Bonbons für Stella besorgt er gleich mit.

Als sie in Amsterdam ankommen, begrüßt sie der Duft von Hyazinthen im Flughafengebäude. Das Ehepaar tauscht kleine Gesten und zelebriert Gewohnheiten, die auch für eine lange Ehe außergewöhnlich sind– ein Kuss im Hotelaufzug zwischen den Etagen zum Beispiel. Als Gerry seine Frau im weißen Nachthemd an der Seite ihres Bettes kniend beten sieht, ist er erstaunt. Dem Glucksen ihrer Wärmflasche antwortet wenig später das Gluckern im Hals seiner Whiskyflasche. So beginnt die erste Nacht in Amsterdam.

Am nächsten Morgen stiehlt sich Stella leise aus dem Hotelzimmer und sucht im Reiseführer den Weg zum Beginenhof. Spätestens jetzt wird klar, dass sie die Reise nach Amsterdam nicht als Erholungsfahrt für ihre Ehe geplant hat. Sie will ein Gelübde erfüllen. Dieses alte Versprechen hat etwas mit der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Michael zu tun, der mittlerweile mit Frau und Kind in Kanada lebt.

Auf der Suche nach seiner Frau durchstreift Gerry das graue Amsterdam, und in diesen Szenen des Suchens und sich Erinnerns gelingt MacLaverty eine nahezu nahtlose Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart, die einfach bezaubernd ist, ohne auch nur im Mindesten kitschig zu sein.

So realistisch, nicht beschönigend und zugleich zugewandt ist der ganze Roman. Schnee in Amsterdam wurde bei den Irish Book Awards 2017 als Novel of the Year ausgezeichnet und wird gerade verfilmt.

Verlag
Verlag CH Beck
Erscheinungsdatum
2018
ISBN/EAN
978-3-406-72700-9
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
288
Preis
22,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

MacLaverty arbeitete an der Queen's University in Belfast als Labortechniker in der Anatomie-Abteilung, bis er im Alter von 28 Jahren seinen Job quittierte, um an ebendieser Universität Englische Literatur zu studieren. Nach erfolgreicher Beendigung seines Studiums wurde er Lehrer und zog nach Schottland, wo er an verschiedenen Schulen in Glasgow und Edinburgh bis 1981 arbeitete, um sich anschließend ausschließlich dem Schreiben von Büchern zu widmen.

MacLaverty begann bereits mit 19 Jahren zu schreiben, sein großer Durchbruch fand hingegen erst 1977 mit der Sammlung von Kurzgeschichten Secrets & Other Stories statt. Einige der Schwerpunkte seiner Bücher sind Liebe und familiäre Beziehungen, speziell die Vater-Sohn-Beziehung. Sein eigener Vater starb, als Bernard MacLaverty 12 Jahre alt war.

Er lebte einige Zeit auf der schottischen Insel Islay; seit 1975 lebt er mit seiner Frau und vier Kindern wieder in Glasgow.

Für Midwinter Break wurde MacLaverty 2017 mit dem Irish Book Award in der Kategorie „Novel of the Year“ ausgezeichnet.

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