Empfehlung von
Susanne Rikl, München
Anthony Doerr
Memory Wall
Novelle. Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence
Kurz bevor Harold Konachek stirbt, findet er in der Karoowüste in Afrika ein zweihundertfünfzig Millionen Jahre altes Fossil. Alma, seine Frau, erinnert sich nicht mehr daran. Sie leidet an Demenz. Ewigkeit und Vergänglichkeit – Anthony Doerr, Pulitzer-Preisträger von 2015, stellt dieses Gegensatzpaar in seiner Novelle in ein wunderbar sanftes Licht. Es funkelt wie ein Edelstein.
Ein Zimmer bleibt Alma, ein Zimmer in dem Haus in einem Vorort von Kapstadt, in dem sie bis vor vier Jahren mit Harold gelebt hat. In diesem Zimmer steht ein Apparat des Gedächtniszentrums Kapstadt, mit dem Alma in der Lage ist, ihre Erinnerungen in Bildern auf Kassetten aufzuzeichnen. Eine Wand dieses Zimmers ist voll mit Zetteln, Diagrammen, Karten, Fotos und eben diesen Plastikkassetten. Sie sind Almas Gedächtnis. Auf Kassette 4510 sind die Bilder aus Almas Kopf gespeichert, die mit Harolds großem Fund zu tun haben. Aber das weiß niemand, auch Alma nicht. Kassette 4510 hängt nicht an der Wand. Mehrfach wird in Almas Haus eingebrochen. Ein großer Mann, Roger, sucht dort nach Informationen zu dem Fundort des wertvollen Fossils. Er hat eigens ein Waisenkind operieren lassen, damit der Junge Almas Kassetten mit dem Erinnerungsapparat lesen kann. Luvo, der Junge, wird das Geheimnis entschlüsseln. Er wird den Gorgonops in der Karoo-Wüste finden und das Leben eines Vaters und seines Sohnes retten.
Die Bilder in dieser Geschichte sind unglaublich fein gezeichnet, allesamt könnten es Bilder von Almas Kassetten sein, die, kaum sind sie aufgenommen, wieder verblassen. Sie stehen für unsere Erinnerung, die so flüchtig ist wie ein Windhauch und doch so existentiell für ein ganzes Leben.
- Verlag
- Verlag C.H. Beck
- Erscheinungsdatum
- 2016
- ISBN/EAN
- 978-3-406-68961-1
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 135
- Preis
- 14,95 €
- Status
- lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Anthony Doerr, 1973 in Cleveland geboren, lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Boise, Idaho. Neben Erzählungsbänden wie „Der Muschelsammler“ (2007) veröffentlichte Doerr die Romane „Winklers Traum vom Wasser“ (2005) und „Alles Licht, das wir nicht sehen“ (2014), für den er 2015 den Pulitzer Prize erhielt. Der Roman, der in den USA annähernd 2 Millionen Exemplare verkaufte, wurde auch in Deutschland zu einem Bestseller, und in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Für seine Erzählungen hat Doerr bislang vier Mal den renommierten O. Henry Prize erhalten, neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt er auch drei Mal den Pushcart Prize. Im Jahr 2007 wurde Anthony Doerr von der Britischen Literaturzeitschrift Granta auf die Liste der „21 Best Young American Novelists“ gesetzt.