Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main
Paula McLain
Lady Africa
Roman. Aus dem Amerikanischen von Yasemin Dinçer
1906 zieht der Engländer Lord Charles Clutterbuck mit seiner Familie als Siedler nach Afrika, ins spätere Kenia. Clutterbuck ist wild entschlossen, dort eine Farm und eine Pferdezucht aufzubauen, aber die Bedingungen des Anfangs sind hart: zwei Lehmhütten, kein fließendes Wasser, vereinzelte, weit entfernte Nachbarn. Seine Frau ist den Anstrengungen nicht gewachsen, sie kehrt mit dem Sohn nach England zurück. Ihre Tochter Beryl lässt sie beim Vater. Nach dem anfänglichen Schock, den der Verlust der Mutter bedeutet, wächst das Mädchen völlig frei und ungebunden auf. Ihre Spielkameraden sind die Kinder der einheimischen Kipsigis. Der Stamm wird so etwas wie eine Ersatzfamilie für sie und gibt ihr den Namen „Lakwet“. Sie darf mit den Jungen lernen, den Speer zu werfen und zu jagen. Frei von den strengen Regeln einer englischen Mädchenerziehung, entwickelt sich Beryl zu einer unkonventionellen, furchtlosen jungen Frau. Als der Vater die Farm aus finanziellen Gründen aufgeben muss und nach Kapstadt geht, heiratet sie einen jungen Farmer aus der Nachbarschaft – weniger aus Liebe zu ihm als zu Kenia. Die Beziehung scheitert schnell, sie verlässt ihren Mann und beginnt, als erste weibliche Pferdetrainerin Afrikas zu arbeiten.
Ihr Drang nach Unabhängigkeit, ihr Unwille, sich Konventionen zu unterwerfen, machen sie schnell zum „enfant terrible“ der kenianischen Kolonialgesellschaft – von einigen bewundert, von vielen abgelehnt. Zu ihren Freunden zählen die dänische Baronin Karen Blixen und deren Liebhaber Denys FinchHatton, in den sich auch Beryl verliebt. Er ist es, der sie später, nach einer weiteren gescheiterten Ehe, für das Fliegen begeistert und ihr eine neue Zukunft als Pilotin eröffnet, die sie als erste Frau mit einem Non-Stop-Atlantikflug von Ost nach West krönt.
Wie schon in „Madame Hemingway“ hat Paula Mclain die Lebensgeschichte einer realen Person geschrieben. „Lady Africa“ ist ein faszinierendes Buch, die Personen sind plastisch und gut charakterisiert und die Landschaft atmosphärisch dicht und sinnlich beschrieben. Das Thema Kolonialismus und dessen Auswirkungen auf die afrikanischen Bevölkerung wird allerdings nur gestreift – was, da der Text als Autobiografie geschrieben ist, konsequent ist. McLain versteht es meisterhaft, mit Fakten und Fiktionen zu spielen – als Leser kann man völlig vergessen, dass es sich bei „Lady Africa“ um einen Roman handelt.
Ob der Verlag seiner Autorin wirklich einen Gefallen damit tut, den erfolgreichen Vorgänger dieses Buches – „The Paris Wife“ – unter dem Titel „Madame Hemingway“ auf den deutschen Markt zu bringen und dieses hier, das im Original den schönen Titel „Circling the Sun“ trägt, als „Lady Africa“ zu trivialisieren, mag dahin gestellt bleiben. Das Vergnügen bei der Lektüre schmälert es zum Glück in keiner Weise.
Wen es interessiert: auf youtube gibt es zwei kurze Clips ihrer Ankunft nach dem erfolgreichen Atlantikflug.
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Aufbau Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2015
- ISBN/EAN
- 9783351036195
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 464
- Preis
- 19,95 €
- Status
- nicht lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Paula McLain studierte an der University of Michigan Kreatives Schreiben und lebte in den Künstlerkolonien Yaddo und MacDowell. Nach zwei Gedichtsammlungen und einem ersten Roman gelang ihr mit dem in 35 Sprachen übersetzten Roman „Madame Hemingway“ ein internationaler Bestseller. Paula McLain lebt mit ihrer Familie in Cleveland.