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Cover: Koala

Empfehlung von
Irmgard Hölscher, Frankfurt am Main

Lukas Bärfuss

Koala

Roman

Ein Schriftsteller kehrt nach Jahren in seine Heimatstadt zurück, um einen Vortrag über Kleist zu halten. Vorher trifft er sich mit seinem Bruder, besser gesagt Halbbruder, den er lange nicht gesehen hat. Das Treffen verläuft unbefriedigend; die beiden haben sich nicht viel zu sagen. Der Bruder hat die Stadt selten verlassen, für Literatur interessiert er sich nicht. Ein Pflichtbesuch also. Nicht lange darauf ist der Bruder tot: Er hat sich umgebracht.

Nach dieser kurzen Einleitung beginnt Bärfuss eine Reise durch die Erinnerung, die bald zu einer Reise in die Geschichte und durch die Zeiten werden soll, zu einer Reflexion über den Selbstmord und zu einer Reflexion über das Tier, dessen Namen man dem Bruder im Pfadfinderlager gegeben hatte: Koala. Dabei hatte nichts schlechter zu dem Toten gepasst als dieses Kuscheltier – aber war der Koala wirklich so niedlich, wie wir glauben? Die Geschichte dieser Tierart, die der Ich-Erzähler ausführlich vor uns ausbreitet, verweist auf etwas ganz anderes. Es ist eine Geschichte von Blut und Schmerz, Elend und Tod, die sich mit dem Koala-Bären, seiner Unzähmbarkeit und seiner für den Menschen schwer hinnehmbaren Nutzlosigkeit verbindet, und in diese Geschichte packt der Ich-Erzähler seinen ganzen wilden Schmerz um seinen Bruder, sein Unverständnis und seinen Wunsch zu begreifen. Am Ende wird klar, dass sich das Rätsel Selbstmord nicht lösen lässt, solange man die Frage nicht findet, die der Selbstmörder mit seiner Tat beantwortet hat.

„Koala“ ist weniger ein Roman als eine Reflexion nach dem Tod eines vertrauten Menschen. Stilistisch wechselt Bärfuss von der fast Kleistschen Prosa des Anfangs zu einem zunehmend sachlicheren und gelegentlich fast lehrbuchhaften Stil. Es scheint, als umkreise der Autor bzw. der Ich-Erzähler seine Trauer und Fassungslosigkeit mit Hilfe historischer und zoologischer Fakten, nur um sie in deren nackter Brutalität wiederzufinden. Kein leicht zu lesendes Buch, aber allemal lohnend und sehr anregend.

Verlag
Wallstein Verlag
Erscheinungsdatum
2014
ISBN/EAN
978-3-8353-0653-0
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
184
Preis
24,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Lukas Bärfuss, geboren 1971 in Thun/Schweiz, gelernter Buchhändler, zählt zu den erfolgreichsten Dramatikern der letzten Jahre. Bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" wurde Bärfuss 2005 zum Dramatiker des Jahres gewählt, im selben Jahr erhielt er den Mühlheimer Dramatikerpreis und den Publikumspreis. Seine Stücke werden in mehr als 25 Ländern gespielt. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Zürich. Die Stiftung Preußische Seehandlung hat Lukas Bärfuss mit dem Berliner Literaturpreis 2013 ausgezeichnet.

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