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Cover: James Bond – Anatomie eines Mythos

Empfehlung von
Susanne Rikl, München

Marc Föcking; Astrid Bögner (Hg)

James Bond – Anatomie eines Mythos

James Bond feiert in diesem Jahr seinen 50sten. Warum er sich als Superagent trotz der mehr als ebenso lange andauernden "Krise des Helden" (Karl Reinhard) immer noch so großer Beliebtheit erfreut, warum er zitiert, imitiert, gelesen, verehrt wird, darüber wurde 2009/2010 in Hamburg eine Ringvorlesung gehalten, deren aufschlussreiche Ergebnisse dieser Band dokumentiert.

Es kann nicht nur daran liegen, dass in Bonds Universum der Alltag keinen Raum einnimmt. Denn das ist in Bestsellern so gut wie immer der Fall. Trotzdem gelingt es den wenigsten Autoren und ihren Helden, sich innerhalb von nur 12 Jahren von 12.000 verkauften Exemplaren per annum auf 27 Millionen zu steigern und diese Quote über weit mehr als 30 Jahre zu halten. Professoren der Literaturwissenschaft, Linguistik, klassischen Philologie, Theologie, Physik, der Medien-, Kultur- und Musikwissenschaft haben sich dieses bemerkenswerten Phänomens angenommen und es aus diversen Blickwinkeln beleuchtet.

Untersucht werden narrative Muster der Romane, der grandiose Erfolg des Bondstoffes in allen anderen Medien, vor allem in Film und Filmmusik, naturwissenschaftliche Stichhaltigkeit der vorgeführten Todesarten und in einem weiteren Teil die klassischen Vorbilder des Bond-Mythos. Dabei werden zum Beispiel die enge – oder doch nicht so enge? – Verknüpfung des Mythos James Bond mit den Lebensstationen seines Erfinders Ian Flemming durchleuchtet und gesellschaftliche Verschiebungen wie die Ablösung des Wohlfahrtsstaates durch eine verstärkte Konsumorientierung benannt, die dem Erfolg von 007 nachgewiesen mehr als dienlich gewesen sind. Analysiert werden aber auch Abweichungen des Super-Agenten vom klassischen Heldenbild, seine Funktion als Lichtgestalt und Erfüllung geheimer Männerträume im Sinne von "bang, bang, kiss, kiss" (Ian Flemming).

Besonders spannend fand ich den Aufsatz über die obligatorischen Bond-Girls in jedem Agentenstreifen, sehr aufschlussreich die Erläuterung physikalischer Hintergründe diverser Todesarten in "Goldfinger" und überzeugend die Überlegungen eines begeisterten Kinogängers und evangelischen Theologen zu der Veränderung der James-Bond-Figur in den letzten beiden Filmen "Casino Royale" und "Ein Quantum Trost".

Bond, James Bond als ernst zu nehmender Vertreter des Hegel'schen Zeitgeistes – durchaus bedenkenswert.

Verlag
Universitätsverlag Winter
Erscheinungsdatum
2012
ISBN/EAN
9783825358785
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
304
Preis
35,00 €
Status
lieferbar

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