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Cover: In hellen Sommernächten

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

John Burnside

In hellen Sommernächten

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Hörspiel. Sprecher: Julia Riedler, Barbara Auer, Achim Buch und weitere

Es gibt kaum einen Schriftsteller, der es wie John Burnside versteht, den tiefsten Schrecken mit einer Sprache voller Schönheit und Licht zu erzählen. Das wird vielleicht daran liegen, dass Burside einer der bekanntesten schottischen Lyriker ist. So hat er in „Glister“ einen grausamen Mord in solch betörende Sätze gekleidet, dass das Geschehen sich erst langsam ins Hirn des Lesers brennt, und auch in „Lügen über meinen Vater“ enthüllt sich der Schrecken oft erst im Nachhinein. In all seinen Büchern sind die Hauptfiguren junge Menschen, deren Sicht von der Welt noch formbar ist.

In seinem neuen Roman „In hellen Sommernächten“ ist Liv die Erzählerin. Sie hat gerade die Schule beendet und treibt, noch unentschlossen, was sie nun tun soll, durch die Tage. Liv lebt allein mit ihrer Mutter, einer bekannten Malerin, die ihre Tage und oft auch die Nächte im Atelier verbringt, abgeschieden auf einer kleinen Insel nahe Tromsö. Es gibt kaum Nachbarn und der einzige Mensch, der für Liv außer der Mutter wichtig ist, ist Kyrre, ein kauziger Alter, der allein in der Nähe lebt. Er hat sich, seit sie drei Jahre alt war und mit der Mutter auf die Insel kam, um sie gekümmert und sie zur Schule gefahren. Kyrre lebt verbunden mit der alten Sagenwelt des Nordens, den Gespenstergeschichten, den Geistern und Trollen und besonders der „Huldra“, einer geisterhaften Schönheit, die Männer in den Tod lockt. Liv ist mit Kyrres Geschichten aufgewachsen und davon geprägt, auch wenn sie nicht daran glaubt.

Dann gibt es noch die Runde der „Freier“, wie Liv sie nach der „Odyssee“ nennt, die samstags ihre Mutter besuchen und ihr mehr oder weniger deutlich den Hof machen. Ihren Vater hat Liv nie kennen gelernt und weiß auch nicht viel über ihn. Einen Freund und auch die sonst üblichen Mädchenfreundschaften hat und will sie nicht. Sie lebt völlig selbstzufrieden im Einklang mit sich, und die Bewegungslosigkeit und Stille, die um sie sind, genügen ihr völlig.

Aber dann verändert sich ihre Welt, sosehr sie auch versucht, sich davor zu schützen. Eine fremde Frau aus England schickt ihr Briefe und bittet sie, zu ihrem Vater zu kommen, der angeblich krank ist. Zwei ihrer Schulkameraden ertrinken auf mysteriöse Weise. Dann verschindet Martin Corsbie, ein Sommergast, der Kyrres Hytte gemietet hat, vor Livs Augen spurlos im Wasser. Immer wurde die schöne Maja, ein Mädchen aus Livs Schule, zuvor mit den Männern gesehen. In den weißen Nächten jenseits des Polarkreises, wo niemand schlafen kann, verwirren sich Realität, Sagenwelt, Wirklichkeit und Wahn, so dass Liv nicht mehr auseinander halten kann, ob die seltsamen Ängste, die sie fühlt, von der „Huldra“ erzeugt werden und ob die „Huldra“ nicht vielleicht Maja ist.

„In hellen Sommernächten“ ist ein langsames Buch, Es hat all die Zeit, die seine Protagonistin, die sich stundenlang in Beobachtungen verlieren kann, auch hat. Langweilig ist es nie. Sanft und ruhig zieht es den Leser in seinen Bann, nimmt ihn mit den gleichen Zweifeln gefangen, denen auch Liv ausgesetztist: Ist das alles „nur“ eine Schauergeschichte? Ist es ein subtiles Psychogramm einer jungen Frau, deren Wille zur Einsamkeit durchaus pathologische Züge hat? Ist es ein Krimi? Gegen Ende entwickelt der Roman dann einen ungeheuren Sog und man wünscht sich eine lange, nicht enden wollende weiße Nacht, um einfach nur weiterlesen zu können.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Der Hörverlag
Erscheinungsdatum
2013
ISBN/EAN
978-3-8445-1194-9
Format
Audio CD
Preis
19,99 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

John Burnside, geboren 1955 in Schottland, ist einer der profiliertesten Autoren der britischen Gegenwartsliteratur. Der Lyriker und Romancier wurde vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erschien im Knaus Verlag sein autobiographischer Roman „Lügen über meinen Vater“, für den er den Corine-Belletristikpreis des ZEIT-Verlags erhielt.

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