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Cover: Hiersein ist herrlich

Empfehlung von
Susanne Rikl, München

Marie Darrieussecq

Hiersein ist herrlich

Das Leben Paula Modersohn-Beckers. Aus dem Französischen von Frank Heibert und Patricia Klobusiczky

Sie war die erste Frau, die sich nackt porträtierte und die erste Malerin, für die ein Museum gebaut wurde. Auf Paula Modersohn-Becker trifft Marie Darrieussecq das erste Mal im Internet: Ein liegender Frauenakt mit Kind ziert als winzige Illustration eine an Darrieussecq per E-Mail verschickte Ankündigung eines psychoanalytischen Colloquiums. Die Autorin ist gebannt, sie will mehr wissen – und begibt sich auf die Spuren der Malerin.

1898 kommt Paula mit 22 Jahren zum Studium der Malerei nach Worpswede zu Fritz Mackensen. Den Stil der Worpsweder Maler ahmt sie nicht nach, noch ficht sie ihn an. Sie sucht ihren eigenen Weg, sie erkämpft ihn sich in den restlichen neun Jahren ihres kurzen Lebens. Und das aller Vorurteile der männerdominierten Kunstwelt zum Trotz. Otto Modersohn, ebenfalls Maler in der Worpsweder Kolonie und ihr späterer Ehemann, wird über sie schreiben: »Die Farbe ist famos, aber die Form? Der Ausdruck! Hände wie Löffel, Nasen wie Kolben, Münder wie Wunden, Ausdruck wie Cretins.« Paulas Bildnisse folgen und dienen keinem Ideal. Von der Tiefenillusion der Malerei hat sie sich – wie Cézanne, Gaugin, Matisse, die sie in Paris studierte – abgewandt. Paula sucht und findet ihren eigenen Ausdruck. Sie schafft mit ihren Bildern Momentaufnahmen von so großer Intensität, dass sie in die Ewigkeit hineinreichen »wie ein leises Gewebe, ein Vibrieren, ein Flügelschlagen, ein zitterndes Ausruhen, ein Atemanhalten«. Genau das wollte sie malen können, es sind ihre Worte, das ist ihr Ziel.

Marie Darrieussecq hat Briefe und Tagebücher von Paula gelesen, auch die ihrer besten Freundin Clara Westhoff, dann die Werke, Briefe und Tagebücher von Rainer Maria Rilke, der mit den beiden Frauen lange Jahre in einem Dreigestirn lebte, Briefe und Notizen von Otto Modersohn, auch der erhaltene Briefwechsel der Familie Becker diente ihr als Quelle. Auf Paulas Spuren hat sie sich mehr als einmal darüber empört, wie sehr die Malerin ignoriert, verkannt, beiseitegeschoben wurde. Umso intensiver hat Marie Darrieussecq nach Paula gesucht, und sie hat ihre Suche und das, was sie von ihr fand, in diesem kostbaren Band aufgeschrieben: sehr lebendig und eindrucksvoll.

Verlag
Secession Verlag für Literatur
Erscheinungsdatum
2019
ISBN/EAN
9783906910659
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
110
Preis
18,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Marie Darrieussecq hat seit 1996 neben diversen kleineren Texten 16 Bücher veröffentlicht, darunter Schweinerei, Prinzessinnen und zuletzt Man muss die Männer sehr lieben, wofür sie 2013 mit dem Prix Médicis ausgezeichnet wurde.
Unser Leben in den Wäldern wird unter der Regie von Magali Magistry verfilmt. Marie Darrieussecq arbeitete bis 2017 auch als Psychoanalytikerin und lebt mit ihrer Familie in Paris.

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