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Cover: Ein Sommer aus Stahl

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

Silvia Avallone

Ein Sommer aus Stahl

Roman. Aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn

Piombino ist alles andere als ein malerischer kleiner Touristenort. Er liegt zwar am Meer, beherrschend sind aber ein großes Stahlwerk, das langsam seinem Untergang entgegensieht, und die billigen Wohnblocks, in denen die Arbeiter leben. In einer dieser Siedlungen, in der Via Stalingrado, leben die Familien von Anna und Francesca. Die sind gerade vierzehn Jahre alt geworden, nicht mehr Kind und noch nicht Frau, lebenslustig, verspielt und auch schon kokett. Eifersüchtig bewacht von Vätern und Brüdern, die aufgrund ihres eigenen Umgangs mit Frauen wissen, wovor sie ihre Töchter und Schwestern schützen wollen.

Die beiden Mädchen sind unzertrennlich, ihre Freundschaft schützt sie vor der Härte ihrer Umwelt, der Hässlichkeit der Umgebung, vor Staub und Schmutz aus dem Stahlwerk, vor der Brutalität und Unzuverlässigkeit der Väter, dem Machogehabe der Brüder und der Ohnmacht der Mütter. Sie sind lebenslustig, unbekümmert und träumen von dem Ort, der vier Kilometer vor ihnen im Meer liegt und doch unerreichbar scheint: Elba.

Aber dann sprengt Anna die Hülle des schützenden Kokons. Sie verliebt sich, und nun nimmt ein junger Mann den Platz ein, den die Freundin innehatte. Die Freundschaft bricht auseinander, Francesca ist tief enttäuscht und scheint den Halt zu verlieren. Und wer in diesem Milieu strauchelt, kann schnell sehr weit fallen …

Mir ist das Buch einerseits sehr fremd geblieben. Das Milieu, die Personen, das Gewöhnliche, die Härte und die Vorherrschaft des Sexuellen in allen Beziehungen – nichts davon hat mir beim Lesen wirklich „Vergnügen“ bereitet. Anderseits habe ich es mit Spannung und Interesse gelesen und wollte es nicht aus der Hand legen. Silvia Avallone ist eine neue, junge Stimme. Sie erzählt ungeschminkt, krass und manchmal peinlich nah am Klischee – so wie ihre jungen Protagonisten sind, deren Weltbild sich aus Fernsehen und Werbung speist. Das ist weder schön noch poetisch, aber von einer zupackenden Unmittelbarkeit, die an einen in dieses Jahrtausend transportierten neorealistischen Film erinnert. Auch wenn der Autorin nicht alles in ihrem Roman gelingt, ist es ein beeindruckendes, lesenswertes Debüt.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Klett-Cotta Verlag
Erscheinungsdatum
2011
ISBN/EAN
978-3-608-93898-2
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
414
Preis
20,00 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Silvia Avallone, 1984 in Biella geboren, lebt in Bologna, wo sie Philosophie studiert hat. »Ein Sommer aus Stahl« ist ihr erster Roman und hat sich über 300.000 mal in Italien verkauft.

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