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Cover: Ein letzter Tag Unendlichkeit

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

Lucien Deprijck

Ein letzter Tag Unendlichkeit

Geschichte einer Lustfahrt

Im Sommer 1750 ist der umschwärmte Dichter Klopstock zu Gast in Zürich. Sein Freund Hirzel hat ihn in die Stadt gelockt, und die gebildete Gesellschaft hängt an den Lippen des jungen Genies, der mit den ersten Teilen seines Epos „Messias“ und seinen Gedichten einen völlig neuen Ton in der Dichtung angeschlagen und seine Leser zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat. Jeder will ihn kennen lernen, und man hofft, er möge die Stadt möglichst lange mit seiner Gegenwart beglücken.

Am frühen Morgen eines herrlichen Tages bricht eine kleine Gesellschaft – die jüngeren Mitglieder der Zürcher Geisteselite in Begleitung ihrer Frauen, Schwestern oder Basen – zu einer Bootsfahrt auf, die den ganzen Tag dauern soll. Man wird über den See kreuzen, hier und da Station machen und, so hoffen alle, den Dichter noch unveröffentlichte Verse rezitieren hören. Hirzel und seine Freunde haben sich etwas Unerhörtes ausgedacht: keiner der Herren wird an diesen Tag seine angestammte Partnerin an der Seite haben, sondern die Fahrt mit einer anderen Begleiterin verbringen – was, wenn es herauskäme, im sittenstrengen Zürich zu einem Skandal führen würde.

Hirzels Frau ist zu Klopstocks Gefährtin ausersehen. Der hat sich jedoch vom ersten Moment an in die blutjunge Anna Maria Schinz verguckt und sucht den ganzen Tag über immer wieder ihre Nähe. Er, dessen Werke in seinen Lesern und Zuhörern wahre Empfindungsstürme hervorrufen, ist plötzlich selbst in einen Strudel der Emotionen geraten. Aber auch die anderen Mitglieder der Gesellschaft empfinden diesen Tag als etwas ganz Besonderes. Die Hitze, der Wein, die Nähe zu den Gleichgesinnten, die Schönheit der Landschaft bringen den Tag zum Glühen und die Gemüter in Wallung. Das gewagte kleine Abenteuer droht aus dem Ruder zu laufen ...

Lucien Deprijk ist mit seinem Roman etwas Außergewöhnliches gelungen. Aus Klopstocks Ode „Der Zürchersee“ und einem Brief des Poeten wird ein heiterer, atmosphärisch dichter Roman, der, sorgfältig recherchiert, Dichtung und Wahrheit aufs unterhaltsamste verbindet. Das Buch gibt dem heutigen, reizüberfluteten Leser eine Ahnung davon, wie es war, in einer Zeit zu leben, in der ein gesungenes Lied die Herzen rührte und rezitierte Dichterworte heftige Gefühle hervorriefen, deren öffentlicher Ausdruck etwas gänzlich Neues war. Empfindsamkeit wurde en vogue, Freundschaft zum Kult - und etwas von der Wärme und Sinnlichkeit an diesem „Tag der Unendlichkeit“ geht bei der Lektüre auf den Leser über.

Der Unionsverlag hat Dokumente zum Buch auf seine Homepage gestellt. Den Brief Klopstocks über die Fahrt auf dem Zürcher See finden Sie hier:http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/18Jh/Klopstock/klo_brie.html

Verlag
Unionsverlag
Erscheinungsdatum
2015
ISBN/EAN
9783293004832
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
240
Preis
19,95 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Lucien Deprijck, Jahrgang 1960, ist Autor von Romanen und Erzählungen sowie Übersetzer englischer und amerikanischer Literatur. Unter anderem übertrug er Mark Twain und Stephen Crane ins Deutsche. Er lebt in Köln.

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