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Cover: Ein Frühling in Jerusalem

Empfehlung von
Susanne Rikl, München

Wolfgang Büscher

Ein Frühling in Jerusalem

Wolfgang Büscher ist zwei Monate lang eingetaucht in die heilige Stadt, in deren Gassen, an deren Toren die Vergangenheit fast überall gegenwärtig ist. Er bewegt sich zwischen Grabeskirche, Klagemauer und Tempelberg, den heiligsten Orten, die man nicht besuchen kann, ohne Soldaten zu begegnen. Eine achtsame Annäherung aus vielen Richtungen, ein faszinierendes, ergreifendes, wunderbares Porträt.

Im bayerischen Janker mit Hirschhornknöpfen gibt er sich zu erkennen, der Deutsche, der in einem Sammeltaxi zusammen mit orthodoxen Juden aus Amerika, russischen Nonnen, einem englischen Ehepaar und einem schläfenlockigen jungen Mann im Kaftan, allesamt in Schwarz, nach Jerusalem chauffiert wird. Dort mischt er sich in das Durcheinander aus Pilgern, Soldaten, Bettlern, Irren, Gläubigen, Siedlern, Geschäftemachern, Freunden und Feinden, Russen, Amerikanern, Juden, Arabern, Türken, Armeniern. Er übersteht die Basartaufe, wagt sich in die Kaffeehöhle der spielenden Männer, trifft Charly, den Armenier, den er fortan Charly Effendi nennen wird. Dessen sieben Zimmer sind voll mit Büchern – nur über seine Stadt, Jerusalem. Er lässt sich eine Nacht in der Grabeskirche einschließen, wird Zeuge der Rekrutenvereidigung vor der Klagemauer, Gast in der Wunderkammer und findet keine Ruhe auf dem Dach der Welt. Er führt Gespräche mit Juden, Franziskanermönchen, Griechisch-Orthodoxen, unternimmt eine Zeitreise zum arabischen Adel der goldenen Zwanziger und telefoniert schließlich nicht mehr als eine halbe Minute mit dem Mukhtar, dem Haupt der Siedler, die – immer bewaffnet – mehr und mehr Häuser in Jerusalem aufkaufen, mit Gewalt oder inkognito.

Nachdem ich diesen Reisebericht zu Ende gelesen hatte, habe ich das Buch an einen Ort gelegt, an dem ich leicht danach greifen kann. Und ich bin seitdem oft in Jerusalem gewesen, habe die Oud von Wasif Jawhariyyeh gehört, neben dem Oleander gesessen, der im griechischen Konvent Büschers Bleibe bewachte, habe das Licht aus der Grabeskirche in der Osternacht herausströmen sehen und am Abend die Wüstenfarbe Jerusalems in mich aufgesogen. Das Buch wird noch lange nicht ins Bücherregal wandern.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Rowohlt Berlin
Erscheinungsdatum
2014
ISBN/EAN
9783871347849
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
240
Preis
19,95 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Wolfgang Büscher, geboren 1951, hat für die "Süddeutsche Zeitung", "Geo" sowie die "Neue Zürcher Zeitung" geschrieben und das Ressort Reportage bei der "Welt" geleitet. Heute ist er Autor der "Zeit". Wolfgang Büscher erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik, den Wilhelm-Müller-Literaturpreis, den Theodor-Wolff-Preis sowie den Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis und 2006 den Ludwig-Börne-Preis.

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