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Cover: Die Wand der Zeit

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

Alastair Bruce

Die Wand der Zeit

Eine abgelegene, kleine Insel, außerhalb von Raum und Zeit. Versunken in Regen und Nebel, karg bewachsen, umtost von einem rauen Meer, das an den Künsten nagt und sich das Land Stück für Stück holt. Dort lebt seit zehn Jahren ein Mann. Er lebt allein, sein Volk hat ihn mit einem Floss und wenig Nahrung auf das Meer ausgesetzt. Mit eiserner Disziplin trotzt er der Insel, seinem Körper und seinem Geist das äußerste ab, um zu überleben.

Da taucht plötzlich ein anderer Mann auf. Ein Schatten aus seiner Vergangenheit. Der Fremde, ein willenloser fetter Mensch, der ihn nicht zu kennen scheint, war einst der Führer eines anderen Volkes, so wie er der Marshall des seinen war. Zwischen beiden Völkern tobte seit Jahren ein verlustreicher Krieg um die kärglichen Ressourcen der Gegend, um das, was nach einer weit zurückliegenden Katastrophe, an die sich niemand erinnern kann, zum Leben blieb. Beide schlossen damals Frieden – unter Bedingungen, die der jeweiligen Bevölkerung ein hartes Joch auferlegte. Bran, so heißt der Mann, glaubt, dass das Auftauchen des anderen eine Bedrohung für sein Volk darstellt, dass es ein Zeichen für ein erneutes Ausbrechen des Konflikts ist.

Er beschließt, in sein Land zurückzukehren, auch wenn ihm dort die Hinrichtung droht. Er baut ein Floß, nimmt den Fremden mit und segelt zurück in seine Heimat, darauf gefasst, dort hingerichtet oder erneut in die Verbannung geschickt zu werden. Aber er ist nicht darauf gefasst, dass ihn nach seiner Ankunft niemand erkennt, keiner sich an das erinnern kann oder will, was er erzählt. Verzweifelt sucht er nach Zeugen aus der Zeit vor zehn Jahren, als er in seiner Funktion als Marshall versuchte, das Überleben seines Volkes zu sichern – um den Preis grausamer Entscheidungen.

„Wand der Zeit“ ist eine düstere Geschichte. Vieles kommt daher wie der eine oder andere Endzeitroman oder –film. Die Katastrophe, eine archaische Welt, in der vereinzelte Menschengruppen ums nackte Überleben kämpfen und alle moralischen und ethischen Standards vergessen zu haben scheinen. Ein Führer, der mit Billigung seines Volkes ein Regime errichtet, das auf konsequenter Ausmerzung der Schwächeren der Gemeinschaft fußt. Aber das ist nur die eine Seite. Je vielschichtiger die Handlung des Buches wird, desto mehr Fragen schälen sich heraus: Was darf Einzelnen angetan werden, um das Überleben einer Gruppe zu schützen? Was ist mit der Schuld einer Gemeinschaft, die dem zugestimmt – oder zumindest nicht Nein gesagt hat? Ist Vergessen eine Voraussetzung für einen Neuanfang oder ist die Erinnerung an begangenes Unrecht notwendig, um überhaupt eine Gemeinschaft zu werden und Rückfälle in die Barbarei zu verhindern? Damit ist das Buch eindeutig kein Fantasy-Roman – wie man bei der Handlung schnell denken könnte. Es ist eine Parabel über Schuld, Erinnern, Vergessen und Liebe. Und liest sich dazu noch unglaublich spannend.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Verlag Antje Kunstmann
Erscheinungsdatum
2012
ISBN/EAN
9783888977749
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
256
Preis
10,00 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Alastair Bruce wurde in Port Elizabeth, Südafrika, geboren und studierte an der Universität Kapstadt zunächst Naturwissenschaften, dann Englische Literatur. Er lebt seit über zehn Jahren in London. »Die Wand der Zeit« ist sein erster Roman.

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