Empfehlung von
Susanne Rikl, München
Barbara Bongartz
Die Schönen und die Reichen
Ein dicht gewebter Gesellschaftsroman rund um die Witwe eines Musikgenies des 20. Jahrhunderts und ihren Biografen, fast schon ein Kriminalroman, der viele Geheimnisse lüftet und noch mehr im Dunkeln belässt.
Sie trinken jederzeit Champagner, doch nicht etwa irgendeine Marke. Ihre Privilegien sind unbegrenzt, ihnen stehen alle Türen offen. Unheimlich nah kommt Barbara Bongartz mit ihrer Milieuschilderung dem Leben der Schönen und Reichen hinter verschlossenen Türen, so nah, dass man fast schon mehr als froh sein möchte, nicht dazu zu gehören. Da ist Ina von Mallind, die Witwe des berühmten musikalischen Genies, einst eine Bürgerliche und Primaballerina in Monte Carlo, dann die Ehefrau des Maestro, dem sie einen Sohn und mehrere Töchter gebar, inzwischen allein in ihrer riesigen Villa in Bayreuth, in der es überall nach Tuberosen duftet. Und Boy, der nicht mehr ganz so junge Junge aus Wuppertal mit Vorliebe für Krokolederslipper, der ein erfolgreicher Biograph war, bis ihn ein Journalist der Presse aufs Korn und seine Karriere ein abruptes Ende nahm. Er soll für Madame den Ghostwriter mimen und dafür die Garderobe ihres verschollenen Sohnes tragen, die seltsamerweise gar nicht die Garderobe des Sohnes ist. Und nicht zu vergessen die Erzählerin Emma Lind, die Kunsthistorikerin, die sich aus ärmlichen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat und mit Vorliebe das Leben anderer beobachtet. Sie tut dies nur zu oft so intensiv, dass sich im Laufe ihres Lebens tatsächlich greifbarere Reminiszenzen in ihrem Besitz angesammelt haben: ein mit Diamanten besetztes Hakenkreuz, ein aus Elfenbein geschnitzter Christus am Kreuz, eine Prothese aus Platin für den kleinen Finger einer Frau und vieles andere mehr, schlichtweg gestohlen aus den Häusern der Reichen und Schönen, in denen Emma aus dem einen oder anderen Grund verkehrte.
Bongartz Roman entwickelt den Sog eines Kriminalromans, ohne einer zu sein, eine kräftige Dosis Voyeurismus spielt eine auch nicht ganz unwichtige Rolle. Schön das Verwirrspiel, das die Erzählerin Emma Lind mit dem Leser treibt: Beim Lesen fühlt man sich wie beim Durchschreiten einer unfassbar großen Villa mit mehreren hinter Tapeten und Regalen versteckten Geheimtüren und dem Gefühl, hier ohne fremde Hilfe nicht mehr hinaus zu finden.
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Weissbooks Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2011
- ISBN/EAN
- 9783863370053
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 320
- Preis
- 19,80 €
- Status
- vom Verlag als vergriffen gemeldet
Zur Autorin / Zum Autor
Barbara Bongartz, 1957 in Köln geboren, Studium u.a. der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Paris, München, Köln. Assistentin am Theaterwissenschaftlichen Institut, Universität Köln. Nach „Die Amerikanische Katze“und „Der Tote von Passy“ erschien 2009 der Roman „Perlensamt“ bei weissbooks.w, gefolgt von "TOPmodel" im Jahr 2010.