Empfehlung von
Susanne Rikl, München
Tom Bullough
Die Mechanik des Himmels
Roman. Aus dem Englischen von Thomas Melle
Ein biographischer Roman über Konstantin Ziolkowski, den Vater der russischen Raumfahrt – warum sollte man so etwas lesen? Die Antwort fällt in diesem Fall leicht: Weil sich Autor und Sujet gesucht und gefunden haben. Herausgekommen ist ein Buch mit so starken Bildern, dass man beim Lesen glaubt, einen Film über diesen Kostja und seine unermüdliche Forschernatur zu sehen, aufregend und spannend bis zum Schluss.
Ob der Gang in den Wald mit der Kohlsuppe, die Konstantin seinem Vater bringen zu müssen meint, daran schuld ist oder der Schlittenausflug mit dem Bruder Ignat, jedenfalls erkrankt der Zehnjährige im Winter 1867 an Scharlach, überlebt nur mit viel Glück und bleibt fortan fast taub. Seine Abenteuerlust mindert das aber in keinster Weise. Und gegen das schlechte Gehör weiß er sich auch zu helfen: Er konstruiert ein Hörrohr, möglicherweise nachdem er die "Grundlegenden Abhandlungen zur Physik" von Adolphe Ganot gelesen hat. In der Schule erweist er sich weniger begabt als beim Bau seiner zahlreichen physikalischen Modelle, die den strengen Vater dazu bewegen, den Halbwüchsigen in Moskau studieren zu lassen. Ziolkowski wird aus Moskau zurückkehren und mit anschaulichen Experimenten Unterricht halten, von seiner zukünftigen Frau schwimmen lernen, den Beginn der Raumfahrt und den ersten Menschen im Weltall voraussagen. Aber lesen Sie besser selbst ...
Seit der "Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann hat mich kein biographischer Roman so sehr für eine Person und ihr Leben begeistern können. Schon auf der dritten Seite stieg die Kälte Russlands in mir auf und ich roch wie Kostja durch den Dampf der Kohlsuppe das frische Blut des vom Wolf gerissenen Kaninchens.
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Beck Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2012
- ISBN/EAN
- 978-3-406-62998-3
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 229
- Preis
- 18,95 €
- Status
- nicht lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Tom Bullough, geboren 1975 in Wales, studierte am Royal Holloway College der University of London, hat in einem Sägewerk, als Creative-Writing-Tutor, als Musik-Promoter in Simbabwe und als T-Shirt-Händler gearbeitet und ist Journalist und Schriftsteller.
Er hat bislang die Romane „A“ (2002) und „The Claude Glass“ (2007) veröffentlicht. „Die Mechanik des Himmels“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.