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Cover: Die Intelligenz der Pflanzen

Empfehlung von
Susanne Rikl, München

Stefano Mancuso; Alessandra Viola

Die Intelligenz der Pflanzen

Aus dem Italienischen von Christine Ammann

Wählerische Feinschmecker, faule Drückeberger, gnadenlose Tötungsmaschinen, ausgefuchste Betrüger – wer hätte gedacht, dass sich solche Charaktere im Pflanzenreich finden lassen? Der Neurobiologe Mancuso hat mit Unterstützung der Wissenschaftsjournalistin Viola ein höchst unterhaltsames, aufklärendes Buch über die Pflanzenwelt geschrieben, das mit aristotelischen Vorurteilen aufräumt und anhand von Forschungsergebnissen beweist: Pflanzen sind überaus intelligente Wesen.

Pflanzen können nicht nur riechen, schmecken, hören, fühlen und sehen – sie besitzen noch 15 weitere Sinne. Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, sie seien Lebewesen dritter Ordnung: vor sich hin vegetierend, ohne jede erkennbare Form von Intelligenz. Dabei lassen sich Egoismus und Altruismus, Kommunikation über weite Distanzen, Werbebotschaften und Vertriebssysteme, Tauschhandel, echte und falsche Freunde – angeblich überaus menschliche Errungenschaften und Eigenschaften – ebenso gut im Pflanzenreich beobachten. Als Beispiel seien die raffinierten Täuschungsmanöver von Orchideen genannt: Sie manipulieren Sehsinn, Tastsinn und Geruchssinn ihrer Pollenkuriere durch Form und Farbe, eine flaumige Oberfläche und Lockdüfte so sehr, dass sich männliche Bienen mit einigen Orchideenarten lieber paaren als mit einer echten Biene. Freundlichere Zeitgenossen sind die Lupinen: Sobald ein Pollenkurier in einer ihrer Blüten Pollen und Nektar gesammelt hat, signalisiert diese Blüte durch eine Veränderung der Farbe: Freunde, bei mir ist nichts mehr zu holen, und erspart damit allen Beteiligten sinnlose Wege.

Fakt ist also: Die Existenz der Menschen ist nicht nur von den Pflanzen abhängig, wir Menschen können von den unglaublich raffinierten Strategien und vielfältigsten Erfindungen der Pflanzen auch eine Menge lernen, denn Pflanzen betreiben erfolgreich Problemlösungen auf höchstem Niveau.

Spannend sind in diesem Buch nicht nur die vielen Geschichten – Gesellschaftsklatsch aus der Welt der Pflanzen, sozusagen. Mich haben die Argumentationswege der Autoren auch zum Weiterdenken angeregt: Sind wir Menschen erst dann in der Lage, die Relevanz eines Phänomens zu begreifen, wenn wir selbst etwas Ähnliches entwickelt haben? Können wir uns aus Denkmustern lösen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen? Gibt es Schönheit ohne Ziel und Zweck? Ich bin sicher, dass sich bei jedem anderen Leser noch viele weitere Fragen auftun.

Verlag
Kunstmann
Erscheinungsdatum
2015
ISBN/EAN
978-3-95614-030-3
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
168
Preis
24,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Stefano Mancuso, Professor an der Universität Florenz, leitet das Laboratorio Internazionale di Neurobiologia Vegetale und ist Gründungsmitglied der International Society for Plant Signaling and Behavior. Mit über 250 wissenschaftlichen Publikationen gilt er international als der Spezialist zum Thema. Er sprach 2010 auf der TED-Konferenz, nahm mit Experimenten am europäischen Space Shuttle-Programm teil und stellt auf der EXPO 2015 in Mailand ein neuartiges Pflanzenkultivierungsprojekt vor.

Alessandra Viola ist eine preisgekrönte italienische Wissenschaftsjournalistin, die auch für die RAI Fernsehprogramme
entwirft.

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