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Cover: Die Geschichte des Anderen verstehen lernen

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

Sami Adwan; Dan Bar-On; Eyal Naveh (Hg)

Die Geschichte des Anderen verstehen lernen

Israel und Palästina im 20. Jahrhundert. Aus dem Arabischen von Imke Ahlf-Wien und aus dem Hebräischen von Avner Ofrath

Jeder Konflikt hat zwei Seiten. Diese simple Wahrheit hat eine Gruppe israelischer und palästinensischer Lehrer ernst genommen und die Geschichte des Israelisch-Palästinensischen Konflikts aufgeschrieben. Jede Seite hat ihre Version erzählt - von der Balfour-Deklaration bis zum Beginn dieses Jahrtausends. Das Projekt wurde von dem israelischen Psychologen (Holocaust- und Friedensforscher) Dan Bar-On und dem palästinensischen Pädagogen und Soziologen Sami Adwan betreut. Beide zählen zu den Gründern des „Peace Research Institute in the Middle East“. Das so entstandene Buch sollte in den Schulen beider Konfliktparteien benutzt werden. Dafür wurden israelische und palästinensische Lehrer separat und gemeinsam ausgebildet. Allerdings wurde der Einsatz in den Schulen durch offiziellen Druck auf beiden Seiten unterbunden. Die Lehrer fanden jedoch Wege, trotzdem mit den Texten zu arbeiten.

Das als Schulbuch konzipierte Werk geht in seiner Funktion weit darüber hinaus und ist daher für jeden Leser, der sich selbst nicht bereits als Experten in dieser Frage versteht, ein Gewinn. Die beiden unterschiedlichen Erzählungen werden parallel abgedruckt. Die israelische Seite links, die palästinensische rechts. Der Leser bekommt auf diese Weise die Möglichkeit geboten, in den Texten zu springen oder die jeweiligen Zeitabschnitte nacheinander zu lesen. Wie zu erwarten, gibt es keine eindeutigen Wahrheiten. Israelische und palästinensische Ansicht unterscheiden sich extrem voneinander; dem Leser werden die gleichen Geschehnisse aus zwei vollkommen unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Dabei gibt es kein richtig und falsch und der Leser „versteht“ mal die eine oder die andere Seite. Genauso wichtig wie die dargestellten Fakten ist die jeweilige Art der Erzählung: was wird erwähnt, was spielt keine Rolle, was wird wie gewichtet und welche Worte werden gewählt. Aus diesen Gründen fällt es schwer, eine nüchterne, emotionslose Haltung während der Lektüre zu bewahren.

Ein Beispiel:
Die israelische Seite beginnt mit den Ursachen des Zionismus in Europa und begründet die Sehnsucht nach einer „Heimstätte“ für die Juden mit der biblischen Verheißung, „dass das Land Israel dem Volk Israel vom Gott Israels gegeben wurde“. Mit dieser Aussage betont sie ihren religiös bedingten Anspruch auf das Land. Die Palästinenser hingegen starten mit einem geopolitischen Überblick über die Lage im Nahen Osten und den Interessen der unterschiedlichen europäischen Nationen in der Region und beschreiben ihr Gefühl nach der Balfour-Deklaration folgendermaßen: „ Großbritannien vergab ein Land, das ihm nicht gehörte (Palästina) an eine Gruppe, der es nicht zustand (die Zionisten), auf Kosten derer, denen es gehörte und denen es zustand (des palästinensischen Volkes)."

Diese Gegensätze machen die Qualität des Buches aus, denn am Ende begreift der Leser das gegenseitige Misstrauen und den Hass beider Seiten besser, auch wenn das wenig optimistisch stimmt. Zum Glück gibt es Projekte wie das „West-Eastern Divan Orchestra“ und Die Geschichte des anderen verstehen lernen die helfen, daran nicht völlig zu verzweifeln.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Campus Verlag
Erscheinungsdatum
2015
ISBN/EAN
9783593502816
Format
Einband - flex.(Paperback)
Seiten
279
Preis
33,00 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Das Peace Research Institute in The Middle East (PRIME) ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die 1998 von dem israelischen Psychologen Dan Bar-On und Sami Adwan, einem palästinensischen Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Bethlehem, ins Leben gerufen wurde. Eyal Naveh, mit Sami Adwan der derzeitige Geschäftsführer der Institution, ist Geschichtsprofessor und lehrte bis 2007 an der Universität in Tel Aviv.

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