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Cover: Die Bitte

Empfehlung von
Susanne Rikl, München

Michèle Desbordes

Die Bitte

Eine Geschichte. Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer

Ein italienischer Renaissance-Künstler – Maler und Architekt wie da Vinci – wird vom französischen König an die Loire gebeten. Er soll ihm dort eine Schlossanlage bauen. Mit seinen Schülern überquert der betagte Meister die Alpen. Auf dem Landgut an der Loire werden die Künstler von Tassine erwartet, einer unscheinbaren, alterslosen Dienerin.

Sie bereitet das Essen für die Herren, trägt auf, schweigend, denn sie spricht ihre Sprache nicht. Sie erntet im Garten, versorgt den Esel, wäscht die Wäsche und scheuert die Terrasse, während er zeichnet, die Pläne seiner Schüler betrachtet und korrigiert, das Land erkundet, am Feuer sitzt, sich wärmt. Das Rascheln ihrer Röcke, sein auf ihr ruhender Blick. Eine Kette wird er ihr zum Geschenk machen, Perlen, selbst aufgefädelt auf einen silbernen Faden. Und sie wird die Kette anlegen, sich bedanken, Kräuter aus dem Garten holen, sich noch einmal bedanken und zu Bett gehen. An einem der Abende wird sie im Nachtkleid in die Küche heruntersteigen, schlaflos wie er, der dort am verlöschenden Feuer sitzt. Sie wird eine Bitte aussprechen, leise weinen, gemeinsam mit ihm schweigen, lange, bis der Morgen aufsteigt. Dann wird sie ihn fragen, ob er jetzt seinen Kaffee wünscht.

Es ist ein stiller Text, eine unaufgeregte Geschichte, die sich aus lauter Miniaturgemälden zusammensetzt, in denen die stilisierte Natur, die Jahreszeiten, das Licht, die gewählten Bildausschnitte eine entscheidende Rolle spielen, weniger die Handlung, das Geschehen. Dennoch sind die Szenen, die Desbordes hier mit Worten malt, in ihrer Wirkung nicht weniger intensiv. Ein außergewöhnlich schönes, erholsames Buch.

Verlag
Wagenbach Veralg
Erscheinungsdatum
2012
ISBN/EAN
978-3-8031-1289-7
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
120
Preis
20,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Michèle Desbordes, geboren in einem Dorf in der Sologne, aufgewachsen in Orléans, hat in Paris studiert und in Guadeloupe und Paris unterrichtet. Lange Zeit leitete sie die Universitätsbibliothek in Orléans. 1986 debütierte sie mit dem Gedichtband »Sombres dans la ville où elles se taisent«, zehn Jahre später erschien ihr Roman »L'Habituée«. Mit ihrem dritten Buch »Die Bitte« war sie in Frankreich und Deutschland gleichermaßen erfolgreich. Michèle Desbordes starb 2006 in Beaugency an der Loire.

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