Empfehlung von
Susanne Rikl, München
Bartram, Claus E. et al. (Hg.)
Der (un)durchsichtige Mensch
Wie weit reicht der Blick in die Person?
Technischer Forschritt macht heute sowohl das Aufspüren von Steuersündern als auch das Aufdecken unrechtmäßig geführter Titel möglich. Die Reaktion der Medien auf Enthüllungen dieser Art ist oft gnadenlos: Sie prangern an und stellen bloß. Dieser hochaktuelle wissenschaftliche Sammelband reflektiert solche Verletzungen des Persönlichkeitsrechts und diskutiert den Begriff des "gläsernen Menschen" in 17 Beiträgen aus der Sicht von Philosophie, Jura, Ethik der (Bio-) Wissenschaften, Humangenetik, Kultur- und Techniktheorie, Finanz- und Steuerrecht, Neurobiologie sowie (Persönlichkeits-) Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Gesellschaftliche Konsequenzen werden auf der Basis des jeweils neuesten Forschungsstandes aufgezeigt.
Die Humangenetik ist heute in der Lage, aufgrund individueller Charakteristika von DNA-Sequenzen die geographische Herkunft eines Menschen in einem Umkreis von 100 Kilometern zu lokalisieren. Nach Meinung des Humangenetikers Bartram ist der gläserne Mensch am Horizont dennoch lange nicht zu sehen.
Und trotzdem sind wir schon längst dort angelangt, wo "Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß" (Volkszählungsurteil 1983). Denn bei den unzähligen Schnittstellen humangenetischer Untersuchungen ist die Gefahr missbräuchlicher Datenverwertung groß. Aus der Sicht der Ethikerin Heesen ist aber dieser Schutz des Einzelnen "vor der unkontrollierbaren Freigabe von personenbezogenen Informationen eine elementare Voraussetzung für die Ausbildung einer reflektierenden Ich-Identität."
Bei allen Kontroversen sind sich die Autoren in einem Punkt einig: Ein interdisziplinärer Austausch ist unbedingt notwendig. Der Jurist Kirchhof formuliert das ganz präzise: Erfahrungswissen (das, was wir nach Empirie und Kausalität tun können) muss von Orientierungswissen (dem, was wir in der Sicht von Recht, Moral, Philosophie, Religion tun sollen) begleitet werden. Denn Forschung sollte dem Menschen und seiner Kultur dienen und sie nicht gefährden.
Eine hochgradig informative und spannende Lektüre.
- Verlag
- Universitätsverlag Winter
- Erscheinungsdatum
- 2013
- ISBN/EAN
- 978-3-8253-6123-5
- Format
- Einband - flex.(Paperback)
- Seiten
- 356
- Preis
- 40,00 €
- Status
- lieferbar