Empfehlung von
Susanne Rikl, München
Mechtild Borrmann
Der Geiger
Roman
Als Sascha Grenko im Juli 2008 nach mehr als 20 Jahren seine Schwester Vika in München wieder sehen soll, wird er Zeuge ihrer Ermordung. Am Morgen hatte sie ihn angerufen und um Hilfe gebeten. Es gehe um Familienangelegenheiten. In einem Schließfach hinterlässt sie Sascha das, was sie über Eltern und Großeltern herausgefunden hat, darin enthalten: eine Bitte des längst verstorbenen Großvaters. Sascha wird sie erfüllen.
Der Großvater der Geschwister, Ilja Grenko, war ein begnadeter Geiger in Moskau. 1948 wurde er verhaftet und in das Arbeitslager von Workuta abtransportiert. Seine Stradivari, ein Geschenk des Zaren an seinen Ururgroßvater, verschwand spurlos. Grenkos Frau Galina teilte man mit, ihr Mann habe sich in den Westen abgesetzt. Das bedeutete für sie und ihre beiden Söhne eine Bestrafung mit zehn Jahren Arbeitslager, Verbannung ins kasachische Karaganda.
Mechthild Borrmann wechselt zwischen diesen 60 Jahre auseinander liegenden Erzählsträngen. Die Geschichte der Großeltern Grenko und Saschas Rekonstruktion der damaligen Geschehnisse berühren sich immer öfter und zum Ende hin bilden sie den fest geflochtenen Zopf der tragischen Familiengeschichte. Darin eingebunden sind viele Details aus der Geschichte Russlands zwischen 1948 und 2008, so wie sie von den Menschen im Alltag erlebt worden sind.
Der Roman liest sich wie ein Kriminalroman. Das verwundert bei Mechtild Borrmann nicht, die mit "Wer das Schweigen bricht" den diesjährigen Deutschen Krimipreis gewonnen hat. Spannend und sehr gut recherchiert wächst dieses Buch aber weit über eine reine Aufklärungsgeschichte hinaus. In filmreifen Szenen werden immer auch die Gefühle der handelnden Personen greifbar. Und wie ein Basso continuo zieht sich durch den ganzen Roman die Frage: Warum?
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Droemer Knaur
- Erscheinungsdatum
- 2012
- ISBN/EAN
- 978-3-426-19925-1
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 304
- Preis
- 19,99 €
- Status
- nicht lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Mechthild Borrmann, geb. 1960 geboren, lebt heute in Bielefeld. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie am Niederrhein. Bevor sie sich dem Schreiben von Kriminalromanen widmete, war sie u.a. Tanz- und Theaterpädagogin, Groß- und Außenhändlerin und als Gastronomin tätig. Seit 2011 ist Frau Borrmann freie Schriftstellerin und Mitherausgeberin des Literaturmagazin 'Tentakel'.