Empfehlung von
Susanne Rikl, München
Joao Paulo Cuenca
Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall
Roman. Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Michael Kegler
In einem Tokioter Nachtclub verliebt sich der Japaner Shunsuke um drei Uhr nachts in die kaukasische Hostess Iulana Romiszowa. Dem großen Dichter und Tyrannen Atsuo Okuda, Shunsukes Vater, der alles und jeden, vor allem aber seinen Sohn mit dem Spionagenetz U-Boot überwacht, ist diese Verbindung mehr als ein Dorn im Auge. Und Iulana, die auf die Liebe der Tänzerin Kazumi hofft, begibt sich durch die Romanze mit Shunsuke in Lebensgefahr.
Warum schreibt ein Brasilianer einen Liebesroman, der in Tokio spielt? Dazu muss man wissen, dass sich die weltweit größte japanische Kolonie in Brasilien befindet. Es ist, so der Autor kürzlich in einer Münchner Lesung, unmöglich, in Rio de Janeiro aufzuwachsen, ohne mit japanischen Lebensformen konfrontiert zu werden. Und im Grunde ist das, was Cuenca da geschrieben hat, auch kein „Liebesroman“, vielmehr ein Roman über die Liebe, ihre Abgründe und Glücksmomente, über die Verwechslung von Liebe mit Begierde, mit Kontrolle, mit Macht und mit Tod. Für den Erzähler, der die Stimme der Schatten und nicht die Stimme der Realität verkörpert, ist das Bild, das wir Menschen uns von der Liebe machen, fiktionaler als jeder Roman.
Um diese Verwechslungen und Projektionen von Liebe einzufangen, festzuhalten und zu demaskieren, setzt Cuenca seine Leser in der futuristischen Megalopolis Tokio aus und zoomt gleich zu Beginn auf eine Szene, die außergewöhnlich ist: Das Buch beginnt mit dem Monolog einer weiblichen Gummipuppe, die nach den Wünschen Atsuo Okudas gefertigt wurde, sprechen, sich bewegen und nicht nur denken kann, sondern, wie sich später erweisen wird, auch Gefühle kennt. Mit der Ankündigung einer nur scheinbar gesteuerten, unvorhersehbaren Aktion dieser Puppe wird das Buch auch enden.
Ein durch und durch moderner Roman auf höchstem literarischen Niveau, dessen Autor altbekannte und neueste Stilmitteln so geschickt in moderner Textur zu verweben vermag, dass man von größter Bestürzung bis zum höchsten Genuss allen Emotionen im Labyrinth der Liebe ausgesetzt ist. Das britische Literaturmagazin "Granta" setzte Cuenca 2012 auf die Liste der 20 besten jungen brasilianischen Autoren.
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- A1 Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2012
- ISBN/EAN
- 978-3-940666-31-4
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 144
- Preis
- 16,90 €
- Status
- vom Verlag als vergriffen gemeldet
Zur Autorin / Zum Autor
João Paulo Cuenca wurde 1978 in Rio de Janeiro geboren und veröffentlichte 2003 sein erstes Buch »Corpo Presente«. 2007 erschien sein zweiter, sehr erfolgreicher Roman »O Dia Mastroianni«, 2011 schrieb er das Theaterstück »Terror«. Das renommierte Literaturmagazin »Granta« wählte ihn im Juli 2012 auf die Liste der 20 besten jungen brasilianischen Autoren. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete er bis 2010 als Journalist und Kolumnist für verschiedene brasilianische Medien, unter anderem für das Magazin der Tageszeitung »O Globo«. Einer seiner längeren Auslandsaufenthalte führte ihn u.a. nach Tokio. João Paulo Cuenca lebt in Rio de Janeiro.