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Cover: Charlotte

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

David Foenkinos

Charlotte

Aus dem Französischen von Christian Kolb. Ungekürzte Lesung. Sprecher: Devid Striesow

Die 1917 in Berlin geborene Charlotte Salomon, wurde nur 26 Jahre alt. In dieser kurzen Lebensspanne hat sie mehr erlebt, erlitten und geschaffen, als in jedes „normale Leben“ passt. Ihre Kindheit in einer liberalen jüdischen Familie, war geprägt von Einsamkeit und Tod. Die Mutter beging Selbstmord, als Charlotte ein kleines Mädchen war. Der Vater, ein Arzt, stürzt sich in die Arbeit, und erst als er nach Jahren eine berühmte Sängerin heiratet, kehren wieder Freude und gesellschaftliches Leben ins Elternhaus ein. Charlotte entdeckt ihr Talent zur Malerei und wird 1935 an den „Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst“ angenommen, zu einem Zeitpunkt also, als nur noch sehr wenige Juden zugelassen werden. Aber das Glück darüber hält nicht lange. Einen Preis, den sie für ihre Bilder erhält, darf sie nicht öffentlich annehmen. Sie fühlt sich in die Dunkelheit zurückgestoßen und verlässt die Hochschule.

Der Vater wird verhaftet, und als er krank aus dem Lager zurückkommt, besteht er darauf, dass Charlotte zu ihren Großeltern flieht, die vor Jahren in Südfrankreich Zuflucht gefunden haben. Sie leben in der Villa von Ottilie, einer reichen Amerikanerin, die Verfolgten Unterschlupf gewährt. Es ist nur eine kurze Atempause für Charlotte. Die Großmutter begeht Selbstmord, sie selbst und der Großvater werden in Gurs interniert, können fliehen und kehren zurück nach Villefranche. Charlotte ist mit den Kräften am Ende und stürzt in eine tiefe Krise.

Ein befreundeter Arzt rät ihr, wieder mit dem Malen zu beginnen. Malen, um nicht verrückt zu werden, ist – für eine kurze Zeit – ihre Rettung. Plötzlich ist es, als hätten sich alle guten Mächte verbündet, damit sie ihr Werk vollbringen kann. Madame Ottilie besorgt ihr, trotz der herrschenden Knappheit, gutes Papier und Farben und hält den mürrischen Großvater fern. Eine Frau bietet ihr ein kostenloses Zimmer in ihrem Hotel an, damit sie ungestört arbeiten kann. Innerhalb von 18 Monaten schafft sie dort den ca. 800 Bilder umfassenden Zyklus „Leben? Oder Theater?“, in dem sie ihr gesamtes Leben darstellt. Am Ende übergibt sie ihre Bilder in einem Koffer Dr. Moridis mit dem Satz „Dies ist mein ganzes Leben“. Kurz danach wird sie verraten und nach Auschwitz transportiert, wo sie ermordet wird.

David Foenkinos hat über dieses kurze, intensive Leben ein wunderbares, berührendes Buch geschrieben, das den Leser mit seiner emotionalen Wucht gefangen nimmt. Wie er schreibt, war er von Charlottes Bildern völlig besessen, habe sich jahrelang Notizen dazu gemacht, aber nichts Zusammenhängendes schreiben können:

„Ich schrieb, löschte, kapitulierte.
Ich brachte keine zwei Zeilen zu Papier.
Nach jedem Satz geriet ich ins Stocken.
Es ging einfach nicht weiter.
Das war körperlich beklemmend.
Ich spürte beständig das Verlangen, eine neue Zeile zu beginnen.
Um durchatmen zu können.

Irgendwann begriff ich, dass ich dieses Buch genau so schreiben musste.“

So ist eine außergewöhnliche Form entstanden: geschrieben wie ein Prosagedicht, jedoch ohne an einen Rhythmus gebunden zu sein, kein Satz länger als eine Zeile. Das ist anfänglich vielleicht irritierend, aber nach kurzer Lektüre hat auch der Leser das Gefühl – nur so und nicht anders kann dieses Leben erzählt werden.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Der Hörverlag
Erscheinungsdatum
2015
ISBN/EAN
978-3-8445-1920-4
Format
Audio CD
Preis
9,99 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Autor
David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter den Millionenbestseller „Nathalie küsst“, der von Foenkinos selbst (zusammen mit seinem Bruder Stéphane) mit Audrey Tautou und François Damiens in den Hauptrollen verfilmt wurde. Seine Bücher werden in rund vierzig Sprachen übersetzt. Sein neuer Roman, „Charlotte“, wurde 2014 mit dem Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet und hat sich allein in Frankreich rund eine halbe Million Mal verkauft.

Sprecher
Devid Striesow, geboren 1973 in Bergen auf Rügen, erhielt seine schauspielerische Ausbildung an der 'Hochschule Ernst Busch' in Berlin. Es folgten Engagements an Bühnen in Hamburg und Düsseldorf. Auf der Leinwand war Striesow erstmals 2000 in der Literaturverfilmung "Kalt ist der Abendhauch" zu sehen.

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