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Cover: Bora

Empfehlung von
Irmgard Hölscher, Frankfurt am Main

Ruth Cerha

Bora

Eine Geschichte vom Wind

Die Bora ist ein kalter Fallwind, der die kroatischen Berge hinunterweht, das Meer aufwühlt und die Menschen verrückt macht. In diesem Sommer, als Mara wie immer ihren Urlaub auf der kleinen Adriainsel verbringt, spielt die Bora verrückt, und das hat auch Auswirkungen auf Mara. Sie müsste einen neuen Roman schreiben, aber ihr fällt nichts ein – ein grässlicher Zustand für eine Frau, die den Zwang zur Produktivität völlig verinnerlicht hat. Statt dessen beginnt sie, wie besessen zu kochen, obwohl sie nicht weiß, wer das alles essen soll, und schließlich das Urlauberpärchen von nebenan damit versorgt, nicht immer zu dessen Freude. Und verliebt sich Hals über Kopf in Andrej, der eines Morgens in dem kleinen Fischerhafen aus der Fähre steigt. Andrej ist Fotograf, will aber nicht mehr fotografieren, weil ihn die Millionen von Bilder auf Facebook und anderen Internetseiten einfach nur noch anöden. Damit nimmt eine wunderschöne Liebesgeschichte ihren Anfang, mit all den dazugehörigen Höhen und Tiefen. Und dazu die ständige Bora, die die Menschen in die Häuser zwingt und das normale Leben zum Erliegen bringt.

Das alles klingt nach Sommergeschichte, aber bei Ruth Cerha wird die Landschaft Kroatiens, die sie auf wunderbare Weise zu beschreiben weiß, zur Folie für die Frage, was Heimat bedeutet, und zwar nicht nur als Ort, sondern als Fixpunkt für Identität und Beziehungen. Was passiert mit dem Kind von Auswanderern, das selbst im Ausland geboren ist, aber dort nie heimisch werden durfte, weil es in einer Migrantengemeinde großgeworden ist, für die Heimat ausschließlich der Ort ist, den sie zurückgelassen haben, kein realer, sondern bloßer Sehnsuchtsort, trotz des jährlichen Auswanderertreffens? Und was passiert mit Beziehungen, die keinen Ort haben, sondern nur einen Sehnsuchtsort, den es nicht gibt? Die Auseinandersetzung mit solchen Fragen gibt der schönen Sommergeschichte, in der man den Rosmarin förmlich riechen und Wein und Tintenfische förmlich schmecken kann, eine Tiefe, die man erst spürt, wenn man den Roman mit einem glücklichen Seufzer zugeschlagen hat.

Verlag
Frankfurter Verlagsanstalt
Erscheinungsdatum
2015
ISBN/EAN
9783627002152
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
254
Preis
19,90 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Ruth Cerha, geb. 1963 in Wien, ab 1967 Ausbildung in Klavier, Violine und Tonsatz, 1982 Matura am Wiener Musikgymnasium. Studium der Psychologie, danach Ausbildung in Tontechnik sowie Gesangsunterricht. Tätigkeit als Musikerin, Sängerin und Komponistin in verschiedenen Bands, am Theater und bei Kunstprojekten. Ruth Cerha hat zwei Kinder, sie lebt und arbeitet als Klavierpädagogin in Wien.

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