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Cover: Alte Sachen

Empfehlung von
Susanne Rikl, München

Markus Flohr

Alte Sachen

Roman.

Sie sind in Berlin, jung und beide auf der Suche: der Israeli Lior nach der Vergangenheit seiner deutsch-jüdischen Familie, die Abiturientin Rieke nach Zukunftsperspektiven. Ein Roman wie ein Film, der zwischen sepiafarbenen Szenen aus nationalsozialistischer Zeit und Nahaufnahmen aus dem 21. Jahrhundert wechselt. Dabei immer im Fokus: das Leben junger Menschen.

Rieke lebt noch im Taumel des bestandenen Abiturs, als sie an einem Morgen nach durchtanzter Nacht Lior kennenlernt. Der junge Schneider ist nach Berlin gekommen, um dort das Geheimnis seiner Familie zu ergründen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin ein Mantel-Geschäft führte. Doch nach ersten erfolgreichen Nachforschungen im Haus der Wannsee-Konferenz und im Landesarchiv verlieren sich die Spuren der Familie Rettig. Und Rieke, die ihrem Freund helfen will, steht plötzlich vor einem weiteren Rätsel: Lior meldet sich nicht mehr bei ihr und ist auch in seinem Atelier nicht mehr aufgetaucht. Mit seinem Verschwinden endet der erste Teil des Romans.

Teil zwei spielt im Jahr 1934 und erzählt die Geschichte der Familie Rettig in Berlin. Ein Jahr nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten muss der Vater seinen Laden auf die arische Angestellte Rita Kartberg überschreiben lassen. Sie zieht mit ihrem 13-jährigen Sohn Otto in das Haus der Rettigs ein. Selma und Nils Rettig, beide ein bisschen älter als Otto, freunden sich schnell mit dem stillen Jungen an, und diese drei Menschen werden für immer miteinander verbunden sein.

Im dritten Teil des Romans wechseln die Zeitebenen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, eingestreut sind über die Länge des ganzen Buches auch Briefe, die Liors Großmutter während der Flucht von Deutschland nach Israel an ihre Tochter geschrieben hat. Parallel zu der Suche von Lior und Rieke nach Dokumenten über das Mantelhaus Rettig wird so die Geschichte der deutsch-jüdischen Familie erzählt.

Eine schöne und spannende Lektüre, absolut reif für eine Verfilmung. Zudem ein behutsamer Verständigungsroman – zwischen Alt und Jung, jüdischer und deutscher Vergangenheit. Sehr liebevoll ist die Gestaltung des in Leinen gebundenen Buches: Der Titel des Romans wurde in ein Textilschild eingewebt.

Verlag
Kindler Verlag
Erscheinungsdatum
2016
ISBN/EAN
9783463406534
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
496
Preis
19,95 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Markus Flohr, geb. 1980 in Hannover, ist Journalist. Er hat die Henri-Nannen-Schule besucht, war Redakteur bei Spiegel Online und studierte Geschichte in Hamburg und Jerusalem.

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