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Cover: Alles ist gutgegangen

Empfehlung von
Ruth Roebke, Frankfurt am Main

Emmanuèle Bernheim

Alles ist gutgegangen

Aus dem Französischen von Angela Sanmann

Von der ersten Seite an nimmt dieses Buch den Leser gefangen. In rasendem Tempo, in kurzen Sätzen ist man mitten drin im Geschehen, hastet mit der Autorin ins Krankenhaus, in das ihr 88 Jahre alter Vater gerade eingeliefert wurde, und wartet auf die Diagnose. Die lautet: Schlaganfall. Der selbst im hohen Alter geistig ebenso wie körperlich aktive Mann ist halbseitig gelähmt, kann sich kaum artikulieren,und die Ärzte geben wenig Hoffnung auf grundlegende Besserung. Er, der sich bis ins hohe Alter seine Lebenslust, seine kulturellen Interessen, seine Genussfähigkeit und sein sexuelles Begehren erhalten hat, ist nun auf die ständige Hilfe anderer angewiesen, und so bald es ihm möglich ist, macht er klar, wie wenig erstrebenswert er ein solches Dasein findet.

Dieser Vater ist ein charmantes Monster. Ein Egomane, gebildet, schillernd, beiden Geschlechtern gleichermaßen zugetan. Einer, dem man seine Wünsche nie abgeschlagen hat. Obwohl sich sein Zustand leicht bessert, gibt es für ihn keinen Zweifel, dass er den Rest seines Lebens nicht in Abhängigkeit verbringen will. So sauber artikuliert wie nie seit dem Schlafanfall sagt er zur Tochter: „Ich will, dass du mir hilfst, Schluss zu machen.“ Ein bodenloser Satz, aber auch dieser Wunsch wird ihm erfüllt werden. Was dieses Ansinnen für seine Kinder bedeutet, danach fragt er nicht. Da die Gesetzeslage zum Thema Hilfe zum Selbstmord in Frankreich ähnlich rigide wie hierzulande ist, entscheiden sich die Schwestern, die Hilfe eines Schweizer Vereins in Anspruch zu nehmen. Was bedeutet, dass der Vater dorthin reisen muss um, nach Abgabe eines umfassenden Dossiers, mit Krankenakte und erklärtem Willen, eigenhändig einen Giftcocktail zu trinken.

„Alles ist gutgegangen“ ist der Bericht dieses letzten Weges, den die Autorin und ihre Schwester mit dem Vater gehen. Allerdings liegt die Hauptlast des Geschehens bei der Autorin. Ihre Schwester ist in die eigene Familie eingebunden. Ihr selbst bleiben, neben der Beziehung zu ihrem Partner, die eigene Kraft, Besuche beim alten Analytiker, Tabletten und Alkohol.

Bernheim erzählt unsentimental, komisch, schnörkellos, in einem packenden Rhythmus. Gleichzeitig bleibt sie sehr dezent und wird nie effekthascherisch. Ihre Beobachtungen und Schilderungen sind so präzise, dass der Leser sich in das zunehmende Gefühlschaos, in das der Vater die Töchter stürzt, buchstäblich hineingezogen fühlt. Am Ende droht das Unternehmen in letzter Stunde zu scheitern – woran die Eitelkeit des Vaters ihren Anteil hat –,was die Spannung, in die der Text den Leser versetzt, fast ins Unerträgliche steigert. Aber am Ende ist dann doch alles gutgegangen.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Hanser Berlin
Erscheinungsdatum
2014
ISBN/EAN
9783446244993
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
208
Preis
18,90 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Emmanuèle Bernheim, Jahrgang 1955, ist Japanologin und lebt in Paris. Sie arbeitet für das französische Fernsehen. 1993 erhielt sie den Prix Medicis.

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