
Der Rabbiner Isaak Emil Lichtigfeld und die Synagoge in Michelstadt Lichtigfeld wurde 1894 in Burschtyn, eine Kleinstadt im damaligen österreichischen Ostgalizien, geboren. Seine Eltern verließen Galizien als Isaak etwa 4 Jahre alt war. Aufgewachsen ist er dann mit seiner Familie (Eltern und 5 Geschwister) in Düsseldorf. Er lebte schon als Jugendlicher bewusst und reflektiert mit der orthodox-jüdischen Religion. Daher auch sein früher Wunsch, Rabbiner zu werden; den er allerdings erst viel später realisierte. Er war, wie so viele seiner Altersgenossen seinerzeit, begeistert in den 1. Weltkrieg gezogen, wurde verwundet; aber er überlebte – und reifte danach. Er entschied sich für ein Jura-Studium, das er mit einer Promotion beendete. Danach heiratete er die Rumänin Ruth Rosinbaum. Beide hatte vier Kinder, mit denen sie zunächst in Düsseldorf und danach in Köln wohnten. 1933 flüchtete die Familie nach London. Lichtigfeld bildete sich dort zum Rabbiner aus – und war dann auch als Rabbiner tätig. Sie erlebten dort Anfang der 40er Jahre die verheerenden Bombardierungen durch die Nazi-Luftwaffe. Nach dem Krieg unterstütze Lichtigfeld in Deutschland und in Zypern siedlungswillige Juden, die nach Palästina auswandern wollten. Die Gründung des Staates Israel verfolgte und unterstütze Lichtigfeld mit großem Engagement. 1954 kam Lichtigfeld (mit seiner Ehefrau) zurück Deutschland: er wirkte als Rabbiner in Frankfurt und als Landesrabbiner der jüdischen Gemeinden in Hessen. Drei Schwerpunkte prägten seine Arbeit: 1. Konsolidierung des Jüdischen Glaubens nach dem Nazi-Terror; 2. Wiedergründung der jüdischen Schule in Frankfurt; 3. Umwidmung der Michelstädter Synagoge in ein Museum. Der letztgenannte Punkt bildet auch den Schwerpunkt in diesem Theaterstück! In diesem Kontext wird sein Leben nacherlebbar, auf historischen Fakten beruhend, inszeniert. In diesem Kontext erfolgt auch eine historisch-politische Auseinandersetzung mit folgenden Fragestellungen: · Entstehung und Praxis des NS-Terrors? · Ideologie des NS und Antisemitismus? · Das Judentum – Religion und Zionismus? · Individuelle Schuld und Konformismus? · Die Synagoge in Michelstadt und die jüdische Gemeinde? · Lokalpolitik und Wiedergutmachung? Einige Textbeispiele (Auszüge) dazu: Jüdische Hochzeitsfeier 1923: Rabbi: Isaak Emil Lichtigfeld hat heute zu Ruth Rosinbaum gesagt: Sei mir zur Frau nach dem Gesetz von Mose und Israel, und ich will für dich arbeiten, dich in Ehren halten, dich ernähren und versorgen – bis an das Ende deiner Tage. Alles ist fest und rechtsgültig. (füllt ein Glas mit Wein und reicht es dem Brautpaar; das Brautpaar trinkt - nacheinander - einen Schluck Wein aus dem „Ehebecher“. Am Ende dieser Zeremonie zertritt der Bräutigam mit dem Fuß das Weinglas.) Gespräch in London am 19. April 1943 (am Abend vor Pessach): Joshua: Weißt du, Vater, wenn ich das alles so gebündelt höre, frage ich mich, wie kommt es dazu, dass ein Mensch so viel Hass entwickelt – und den dann auch in dieser Form ausleben kann? Isaak: Eine monokausale Erklärung gibt es dafür nicht. Es müssen mehrere Faktoren zusammenkommen: Individuelle Defizite, nationale Befindlichkeiten und ökonomische Rahmenbedingungen. Ruth: Kannst Du das auch etwas Verständlicher sagen? Joshua: Vor allem auch mit für mich nachvollziehbaren Beispielen! Isaak: Gerne, aber dazu brauche ich etwas Zeit. Philanthropin in Frankfurt, Ende September 1956: Gespräch über den neu gegründeten Staat Israel und über Herrmann Cohens "Religion der Venunft": Isaak: Man kann beinahe mit Sicherheit behaupten, dass, wenn Cohen Zeuge der Vorgänge zwischen 1933 und 1945 gewesen wäre, er darüber anders gedacht hätte. Die Möglichkeit eines Planes, der auf die Vernichtung des jüdischen Volkes gerichtet war, in Betracht zu ziehen, war für ihn nicht gegeben, da er genau wie alle Verfechter des Fortschritts des letzten und dieses Jahrhunderts der optimistischen Überzeugung war, dass die Rechtsgrundlagen jeglicher Staatlichkeit unanfechtbar und unangreifbar sind. Isaak: Vergiss nicht: Für viele Holocaust-Überlebende und deren Angehörige wurde Israel zu einer neuen Heimat und zu einem sicheren Hafen vor dem weiterhin existierenden Antisemitismus in vielen Ländern der Welt. Ruth: Ich fürchte, dass der Friede nicht stabil ist – und dass es dort immer wieder zu Kriegen kommt.- Zionismus ist elementar verbunden mit jüdischem Nationalismus. Und dieser Nationalismus ist sicher auch als Protest zu verstehen, gegen die Behandlung, die Juden von anderen Nationen – insbesondere von den Deutschen - erfahren haben. Darum ist der Zionismus in Israel gefordert, es besser zu machen und das Verhältnis zur arabischen Landesbevölkerung positiv zu gestalten, Unrecht zu vermeiden. Max: Isaak, weder ich noch Ruth sind Antizionisten; dennoch benennen wir die Probleme, die entstanden sind – und noch, das befürchte ich, auf uns zukommen werden… Man darf bzw. muss darüber reden, Meinungen austauschen! - März 1979, Gespräch über BG Hasenzahl und seine Rede zur Eröffnung des jüdischen Museums am 28. Februar 1979: Georg: Ich habe die Orginalrede als aktives Ratsmitglied bekommen; lasst mich bitte vorlesen: „Eine Bemerkung erlaube ich mir, weil ich weder ein Sittenapostel, geschweige denn ein Held war. Aber, ich habe mir nie in meinem Leben einen Maulkorb anbinden lassen. Eins kann ich von mir behaupten, ich habe zu keiner Zeit Menschen nach ihrer Herkunft, Religion oder Rasse beurteilt, kenne auch keine Kollektivverurteilung. Ich habe versucht, jeden Menschen immer nach dem zu beurteilen, wie er sich persönlich gibt. So war auch ein Jude für mich, auch nicht, als man dies propagierte, ein Unmensch, aber ebenso kein Auserwählter, sondern auch immer nur ein Mensch.“ Hinweis: Das Buch enthält zahlreiche themenrelevante Abbildungen!