
Zentraler Gegenstand des Bandes ist die kritische Edition der anonymen Schrift ‚Eynne schonne hysthorye van vunderlyken gescheffthen der heren tho Lyffflanth myth den Russen unde Tartaren‘ aus dem Jahr 1507. Sie steht in engem Zusammenhang mit einer Ablasskampagne, welche die finanziellen Mittel für einen Krieg des livländischen Deutschordenszweiges gegen das Großfürstentum Moskau aufbringen sollte. Damit liegt ein herausragendes Zeugnis für die propagandistisch aufgeladene Rechtfertigung des Ablasses und die Konstruktion eines veritablen Feindbildes vor. Die auf mittelniederdeutsch verfasste Schrift ist unikal in einer Kopie wohl aus der Zeit um 1550 in der Handschrift H 131 der Universitätsbibliothek Uppsala überliefert. Mit großer Sicherheit ist dieser Textzeuge auf einen in Köln verlegten Druck zurückzuführen, von dem allerdings kein Exemplar bekanntgeworden ist. Die Ausgabe bietet in Synopse den niederdeutschen Text der Schrift sowie seine Übersetzung in ein modernes Deutsch. Ein Sachkommentar mit umfassenden Erläuterungen sowie eine ausführliche Einleitung von Matthias Thumser und Juhan Kreem dienen dem tieferen Verständnis.