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Cover: Von Wegen

Empfehlung von
Theresa Mayer, Autorenbuchhandlung Marx & Co, Frankfurt am Main

Niels Boeing

Von Wegen

Überlegungen zur freien Stadt der Zukunft

Niels Boeing war seit der Besetzung des Hamburger Gängeviertels Aktivist innerhalb des Netzwerkes „Recht auf Stadt“. Jetzt, mehr als sechs Jahre später, droht es auch um die Hamburger Initiative, die zu einer der kontinuierlichen Bewegungen zählte, still zu werden. Wie Boeing im vergangenen Herbst in einem Interview mit der Tageszeitung thematisierte, setzt sein Buch damit an einem Punkt ein, an dem erneut deutlich gemacht werden muss, dass der Kampf und die „freie Stadt der Zukunft“ noch nicht gewonnen ist.

Seine Erfahrungen als Aktivist sind aber nicht der eigentliche Gegenstand seiner Ausführungen. Dementsprechend bildet der kurze Einblick in die Aktionsarbeit von „Recht auf Stadt“ auch nur den Ausgangspunkt seiner theoretischen Arbeit, die sich nicht auf die spezifische Lage in Hamburg beschränkt. Vielmehr entwickelt Boeing ein Konzept der freien Stadt, bei der es „ums Ganze geht“. Der Kampf um die Wiederaneignung des städtischen Raums kann sich nicht mit dem parlamentarischen System arrangieren. Solange er auf die Zusammenarbeit mit den Parteien setzt, können und werden einzelne Initiativen, die sich Freiräume innerhalb der Stadt erkämpfen wollen, gegeneinander ausgespielt werden. Boeing ruft AktivistInnen dazu auf, sich über ihre einzelnen Projekte hinaus zu vernetzen. „Recht auf Stadt“ hat in Hamburg einige Erfolge erzielen können und war über lange Zeit hinweg konstant aktiv. Trotz dieser Erfolge kann seiner Meinung nach die theoretische Idee der „freien Stadt der Zukunft“ aber nur mit einem grundsätzlichen Wandel in der Stadtentwicklung erzielt werden kann. Und das setzt die Abschaffung des parlamentarischen Systems ebenso voraus wie die Abschaffung des Eigentums von Grund und Boden. Der Weg zur „freien Stadt der Zukunft“ kann für Boeing nur über die Selbstermächtigung ihrer BewohnerInnen funktionieren. Sie kann nicht nur als Teilbereich politischer Forderung verstanden werden, weil sie sowohl durch Politik als auch durch den neoliberalen Kapitalismus determiniert ist. Ein Kampf um die Stadt ist deshalb auch immer einer hin zu einem Systemwechsel.

Boeing zeigt durch die Beschreibung von Entwicklungen und Veränderungen im Zusammenhang von Stadt und Kapitalismus, dass der politische und wirtschaftliche Status quo keine historische Selbstverständlichkeit ist. Dabei orientiert er sich an der Theorie des französischen Soziologien Henry Lefebvre, dessen wichtigstes Werk „Recht auf Stadt“ in diesem Jahr ebenfalls bei den Nautilus Flugschriften neu erschienen ist. Dabei wechselt er von längeren Kapiteln über die aktuelle Lage und ihre Möglichkeiten immer wieder zu kurzen „Wegzeichen“: kurze historische Abrisse zu Themen wie Nachhaltigkeit, Kapitalismus und Staat. Den Abschluss seines Buches bilden drei Kapitel in Manifest-Charakter: „Detournez!“, „Beschluss“, und „Message“. Sie machen deutlich, dass die freie Stadt trotz der Bedeutung der Theorie nur durch ihre BewohnerInnen erlangt werden kann.

Niels Boeings Buch liest sich einerseits wie ein Manifest für den Kampf um das Recht auf Stadt. Es gelingt ihm aber andererseits auch, den Status Quo theoretisch und kritisch zu durchleuchten und auf seine Zukunftsfähigkeit hin zu überprüfen. Diese Darstellung verweist darauf, wohin die neoliberale Stadtentwicklung führen kann und wird, wenn die BewohnerInnen den Kampf um die Stadt nicht zu führen beginnen. Für Niels Boeing ist „[d]ieser Kampf in den Städten keiner, den man führen kann, weil man Ungerechtigkeiten und politische Frechheiten nicht länger hinnehmen oder ein liebgewonnenes Quartier retten will. Es ist ein Kampf, den man führen muss: um der Zukunft willen, in der sich der Neoliberalismus nach dem Crash von 2008 häuten und in einem grün lackierten, vollends autoritären Hightechkapitalismus verwandeln könnte, in der die unternehmerische Stadt zur Maschine wird und jeden Quadratmeter städtischen Raums beansprucht.“

Verlag
Edition Nautilus
Erscheinungsdatum
2015
ISBN/EAN
978-3-89401-825-2
Format
Einband - flex.(Paperback)
Seiten
160
Preis
16,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Niels Boeing, 48, Mitglied des Aktionsbetriebs LOMU – local organized multitude, aktiv im Hamburger Netzwerk »Recht auf Stadt«, Reisender und Journalist u. a. für Die Zeit, Freitag, Technology Review. Zuletzt erschien von ihm 2011 bei Edition Nautilus Alles auf null. Gebrauchsanweisung für die Wirklichkeit.

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