Douglas Coupland
Spieler Eins
Roman in 5 Stunden. Aus dem Englischen von Clara Drechsler
Willkommen in der Camelot Airport Cocktaillounge. Darf ich vorstellen: Der Kerl da, der die Gläser putzt, das ist Rick, der Barkeeper. Rick hatte mal eine Ein-Mann-Gartenbaufirma, die im ersten Jahr ganz gut anlief. Doch dann wurde sein Wagen geklaut, mitsamt all seinen Geräten. Er ist jetzt seit vierzehn Monaten trocken und hat vor, all sein Erspartes in das Power Dynamics Seminar System von Leslie Freemont zu stecken, um ein neuer Mensch zu werden.
Drüben an dem Tisch, die hübsche junge Frau, das ist Rachel. Was eine richtige Frau oder einen empathischen Menschen überhaupt ausmacht, weiß Rachel nur aus dem Internet. Sie versteht weder Witze noch Metaphern, und sie will ihrem Vater, der sie für einen gefühllosen Roboter oder sogar ein Alien hält, beweisen, dass sie das nicht ist. Daher sucht Rachel jetzt einen Mann, der sie schwängert.
Der Mann dort an der Bar, der etwas zerknittert in sein Whiskyglas starrt, das ist Luke, der bis gestern noch Pfarrer war und der niemals so werden wollte wie sein Vater. Als er merkte, dass sein Gottglaube den Bach runter gegangen war, zog er sich die weiße Binde vom Kragen und machte sich aus dem Staub. Nicht ohne vorher noch schnell die Gemeindekasse mitzunehmen.
Die Frau dort hinten, die so oft auf ihre Uhr blickt, heißt Karen. Sie ist geschieden und alleinerziehende Mutter einer fünfzehnjährigen Tochter, die gerade ein Faible für Gothic-Style entwickelt hat und ziemlich nervt, und sie hat die ganzen zweitausend Kilometer Luftlinie in Kauf genommen, weil sie ein Blinddate mit einem Mann namens Warren hat, den sie in einem Chatroom für Gemäßigte Apolyptiker kennengelernt hat, und sie hofft, es wäre ihr Mr. Right.
Und urplötzlich gerät die Welt aus den Fugen, und das mit einem ohrenbetäubenden Krachen. Kurz nachdem sie im Fernsehen gesagt hatten, der Barrel Öl stünde bei über 300 Dollar, fällt der Strom aus, dann folgen weitere Explosionen, und eine giftige, pechschwarze Wolke zwingt die fünf Menschen, sich in der Lounge zu verbarrikadieren. Nein, nicht fünf. Es sind jetzt nur noch vier, denn Warren wurde soeben von einem Heckenschützen erschossen. Aber er war auch nicht der Mr. Right.
Und jetzt geht die Geschichte richtig los, und man kann das wirklich nur einen perfekt geschriebenen Roman nennen, wo einfach alles stimmt, und wo es wirklich schade ist, dass er irgendwann vorbei ist.
Seit „Generation A“ bin ich ein absoluter Douglas-Coupland-Fan geworden. Es sind nicht nur die Figuren, die er einem da präsentiert und die man schon längst zu kennen glaubt, es ist das enorme Wissen, mit dem Coupland so um sich wirft, als gebe es kein Morgen. Es erinnert ein bisschen an David Foster Wallace. Jedenfalls ist „Spieler Eins“ ein hervorragendes Mittel, sich diese graue Zeit zu vertreiben. Ich kann nur raten, den Roman nicht zu schnell zu lesen, obwohl er dazu verführt; ich würde mir mehr Zeit nehmen, damit einem auch nichts entgeht. Sie werden dann schon verstehen, was ich meine.
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Tropen-Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2013
- ISBN/EAN
- 978-3-608-50114-8
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 246
- Preis
- 20,00 €
- Status
- vom Verlag als vergriffen gemeldet
Zur Autorin / Zum Autor
Douglas Coupland, geboren auf einem Nato-Stützpunkt in Deutschland, wuchs in Vancouver auf, wo er auch heute als Autor und Künstler lebt. In den späten Achtzigern begann er für lokale Magazine zu schreiben, daraus resultierte 1991 sein Erstlingswerk, das ihn schlagartig berühmt machte und zum Sprachrohr einer Generation werden ließ.