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Cover: Mehr Musenküsse

Empfehlung von
Axel Vits, Köln

Currey Mason , Frank, Arno

Mehr Musenküsse

Die täglichen Rituale berühmter Künstler. Aus dem Amerikanischen von Anna-Christin Kramer

Ich blättere wahllos mit dem linken Daumen und lande bei Ernst Jünger, der seine zweite Lebenshälfte in einem abgelegenen Forsthaus verbracht hatte. „Nach dem meist melancholischen Erwachen das Bad, das die Gedanken lichtet, dank dem Wasser, das jetzt die niedrigste Temperatur erreicht hat: vier Grad Celsius.“ Gut, der Mann wurde immerhin über hundert Jahre alt.

Dann hier, Richard Yates, großartiger Autor: „In den späten 1970er-Jahren, als der Schriftsteller Richard Yates allein in Boston wohnte, begannen seine Tage stets mit einem heftigen Kater und einer Zigarette im Bett. Danach ging er ins Bad, übergab sich, duschte und fühlte sich im Anschluss gut genug, um vier Stunden lang zu schreiben.“ Apropos übergeben: ein paar Seiten weiter lese ich, für Elfriede Jelinek sei Schreiben, wie Kotzen zu müssen, wohingegen es Noam Chomsky seit zwanzig Jahren nicht anders halte, als zur Mittagspause ein einfaches Roggenbrot mit Truthahn zu bestellen. Immer ohne Mayonnaise.
Ein Martin Amis empfindet das Schreiben eher wie einen Teilzeitjob, bei dem „durchgehendes Schreiben von elf bis eins schon ein Riesenerfolg ist“. Das wiederum wäre für Jack Kerouac kaum denkbar gewesen. Für sein Schreibmaschinenmanuskript zu „On The Road“ klebte er einzelne Papierseiten zu einer Rolle aneinander, nur um bloß keine Zeit mit dem Wechseln der Blätter zu vergeuden. Dann schrieb er meistens die Nacht über durch, trank, schluckte Tabletten. „Benny [Benzedrin]“, wie er einmal an seinen Freund Allen Ginsberg schrieb, „hat mich viel sehen lassen“.

Immer interessant, wenn auch manchmal seltsam grillenhaft, oft launisch und komisch oder zumindest doch verwunderlich lesen sich die Launen und Eigenheiten all der namhaften Künstler, die sich auch im zweiten Band aus der Reihe „Musenküsse“ quasi die Klinke in die Hand geben. Eine reiche Blütenlese an Anekdoten. Ein kurzer Blick hinter die Kulisse. Wieder und wieder. Am besten gefiel mir die Geschichte über Roald Dahl. Der seinen eigenen Hüftknochen auf einem Beistelltisch neben dem Schreibtisch stehen hatte. Aber lesen Sie selbst.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Kein & Aber
Erscheinungsdatum
2015
ISBN/EAN
978-3-0369-5728-9
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
249
Preis
17,00 €
Status
aus dem Verkauf genommen

Zur Autorin / Zum Autor

Mason Currey wurde in Pennsylvania geboren und studierte an der University of North Carolina. Acht Jahre lang arbeitete er als Redakteur bei Zeitschriften, nebenher unterhielt er den beliebten Blog "Daily Routines", aus dem das Buch Musenküsse entstand. Er lebt in Los Angeles.

Arno Frank hat elf Jahre als Redakteur bei der »taz« in Berlin gearbeitet. Als freier Journalist schreibt er heute für »Spiegel Online«, »Die Zeit«, »Dummy« und den »Musikexpress«. Bei Kein & Aber erschien 2013 sein Essay »Meute mit Meinung«. Er lebt in Wiesbaden.

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