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Cover: Die Farbe der Nacht

Empfehlung von
Axel Vits, Köln

Madison Smartt Bell

Die Farbe der Nacht

Roman. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

Mae arbeitet als Croupière in einem kleinen Kasino in Vegas. Sie schiebt oft Doppelschichten, denn viele Bekannte hat sie nicht, und wenn sie dann mit ihrer Schicht fertig ist, geht sie vielleicht noch in einem Diner etwas essen und fährt, die Lichter der Stadt wie eine diffuse Erinnerung hinter sich lassend, anschließend nach Hause in ihre Wohnwagensiedlung, draußen am Rande der Wüste. Sie entkorkt die Flasche, gießt sich ein, schaltet den Fernseher an, nimmt einen ersten Schluck und ist im nächsten Moment wie erstarrt. Immer wieder aufs Neue stürzen nacheinander die beiden Türme ein, und immer wieder schreien Passanten vor Entsetzen auf, raufen sich die Haare, fallen auf die Knie. Offene Münder, schreckgeweitete Augen. Sofort, aber spätestens beim zweiten Durchlauf ist sie sich sicher, in einer dieser Personen Laurel wiedererkannt zu haben.

Laurel. Als sie Laurel kennenlernte, damals in den Siebzigern, im Summer of Love, als Mae gerade sechzehn war und ihr Bruder sich in den Vietnamkrieg verabschiedete und als Anderer zurückkam, war sie völlig stoned. Wie überhaupt jeder in der Kommune, die sich das VOLK nannte und in ein paar heruntergekommenen Trailern in der Mojave-Wüste lebte, angeführt von einem ebenso charismatischen wie durchgeknallten Spinner, der seine Jünger zu sexuellen Exessen und Gewaltorgien aufrief. Man kann sagen, Mae verliebte sich gleich auf Anhieb in Laurel. Und umgekehrt Laurel in sie. Doch dann geriet etwas völlig aus der Bahn, woraufhin Mae sich vom FBI verfolgt sah und Laurel für Jahre aus den Augen verlor.
Bis heute.

Wieder und wieder sieht sie sich das Band an, das sie zusammengeschnitten hat. Sie findet heraus, wo Laurel wohnt. Sie geht hinaus in die Wüste. Übt sich nachts im Schießen. Dann packt sie ihr Gewehr in den Kofferraum und macht sich auf den Weg.

Der hierzulande bisher völlig unbekannte Autor Madison Smart Bell, der in den USA bereits dreizehn Romane veröffentlicht hat, hat mit „Die Farbe der Nacht“ einen Roman geschrieben, der so ungewöhnlich wie meisterhaft ist, der sich mit jedem weiteren seiner vierundachtzig Klein- und Kleinstkapitel nur noch mehr steigert und der einem wie mit der Tätowiernadel gestochen unter die Haut geht, unvergesslich, unnachahmlich. Man kommt nicht umhin, sich wiederholt zu fragen, warum man von Smart Bell noch nichts gehört hat. „Die Farbe der Nacht“ ist einer dieser Romane, die man schnellstmöglich weiterempfehlen möchte. Was ich hiermit tue.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Liebeskind Verlag
Erscheinungsdatum
2013
ISBN/EAN
978-3-95438-005-3
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
240
Preis
18,90 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Madison Smartt Bell wurde 1957 in Nashville, Tennessee geboren. Er studierte Literaturwissenschaften in Princeton und lebte danach als freier Autor einige Jahre in London und New York. Er lehrt Kreatives Schreiben an verschiedenen amerikanischen Universitäten. Zurzeit ist er Professor für Englische Literatur am Goucher College in Virginia. Seit 1983 hat Madison Smartt Bell zahlreiche Romane veröffentlicht. Er lebt in Baltimore.

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