James Carlos Blake
Das Böse im Blut
Roman. Aus dem Amerikanischen von Matthias Müller
»John zuckte die Achseln und dachte, dass derjenige, der einmal gesagt hatte, dass ein Mann nicht mehr ist als das, was er am besten kann, verdammt noch mal recht hatte.«
Das, was John Little und sein jüngerer Bruder Edward am besten können, ist sich zu prügeln und, wenn es darauf ankommt, als erster zuzustechen, gut mit Pferden und der Waffe umzugehen und mit der einfachen Tatsache zu leben, dass Blut immer dicker ist als Wasser. Gelernt haben sie das von Daddyjack, ihrem jähzornigen Vater, der keinen Ungehorsam duldet und der ihre Mutter, als er herausbekommt, dass sie einst eine stadtbekannte Hure war, an den Händen an einen Baum aufknüpft und ihr vor den Kindern die Haut vom Leib peitscht.
Das Drama nimmt seinen Lauf. Die Mutter erholt sich nur langsam, und als sie wieder halbwegs gerade auf den Beinen stehen kann, brennt das Haus ab und sie verschwindet mit der minderjährigen Tochter Maggie. In einem Streit erschießt Edward seinen Vater und wird seitdem von Albträumen geplagt, in denen Daddyjack mit anklagendem Finger auf ihn zeigt und ihm befiehlt, seine verdammte Pflicht zu tun und sich um den Rest der Familie zu kümmern.
Gemeinsam fliehen die Brüder, machen sich auf den Weg, um Mutter und Schwester zu finden, und hinterlassen dabei eine Spur der Verwüstung. Als der Amerikanisch-Mexikanische Krieg ausbricht, werden sie plötzlich getrennt und treffen erst lange Zeit und mehrere Tote später wieder aufeinander. Diesmal auf verschiedenen Seiten.
In seinem Mitte des neunzehnten Jahrhunderts angesiedelten Roman räumt James Carlos Blake vollends mit dem romantisch angehauchten Western-Klischee auf, das uns durch Filme wie „Winnetou“ und Serien wie „Bonanza“ beinahe schon ins Blut übergegangen ist. Helden, die nach einer guten Tat in den Sonnenuntergang reiten, sucht man hier völlig vergebens. Die Zeit, in der der Roman spielt, ist allein geprägt durch das Recht des Stärkeren; Brutalität, gerade gegenüber Frauen, Habgier, Armut, Rassenhass und der tägliche Kampf ums Überleben sind die treibenden Kräfte. Ich kann nicht unbedingt behaupten, dieses Buch sei etwas für einen fröhlichen Nachmittag auf der Couch, und unter achtzehn sollte man sich da besser gar nicht erst herantrauen. Und dennoch: etwas so Packendes wie „Das Böse im Blut“ ist mir persönlich schon lange nicht mehr in die Finger geraten. Ein Spezialtipp, wenn man so will.
- Verlag
- Liebeskind Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2013
- ISBN/EAN
- 978-3-95438-016-9
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 448
- Preis
- 22,00 €
- Status
- lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
James Carlos Blake, 1947 in Mexiko geboren, verbrachte seine Kindheit in Texas. Nach der Highschool ging er zur Armee und schrieb sich dann an der Universität von Florida ein. Er machte seinen Abschluss und unterrichtete dann über zwanzig Jahre am College, bevor er Mitte der neunziger Jahre als freier Schriftsteller nach Texas zurückkehrte. Seit 1995 hat er mehrere Romane veröffentlicht, für die er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. James Carlos Blake lebt heute in Arizona.