
Wie ist es, zum Fremden gemacht zu werden? Wie fühlt es sich an? Und vor allem: Woher weiß man, was für ein Fremder man ist? In seinem literarischen Debüt verwebt David Alvarado Archila persönliche Beobachtungen, historische Recherchen und essayistische Reflexionen zu einer eindringlichen Auseinandersetzung mit der Erfahrung des Fremdseins. Zwischen morgendlichen Zugfahrten durch Deutschland und Erinnerungen an Kolumbien entfaltet sich ein Text über Nationalitäten, Vergesslichkeit und Nostalgie. Alvarado erzählt von der gesellschaftlichen Amnesie, die manche Menschen trifft, von der Kunst, unsichtbar zu werden, und von der schmerzhaften Erkenntnis, dass Fremdsein keine angeborene Eigenschaft ist – sondern eine Lehre. Eine finstere Lehre. Mit analytischer Schärfe und literarischer Leichtigkeit deckt der Autor die Mechanismen auf, durch die Menschen zu "Fremden" gemacht werden, und zeigt, wie koloniale Kontinuitäten bis in die Gegenwart nachwirken.