
Die verbreitete Ansicht, die idealistische Naturphilosophie habe die Entwicklung einer empirischen Biologie behindert, beruht auf der Annahme, sie sei in Konkurrenz zur entstehenden empirischen Forschung getreten. Der Autor zeigt dagegen, dass Hegels Naturphilosophie für die Eigenständigkeit der Biologie neben z. B. der Physik plädiert, indem sie für die Irreduzibilität des Organischen auf das Anorganische argumentiert. Die Studie arbeitet detailliert heraus, dass Hegel einen teleologischen Emergentismus vertritt, und untersucht dessen Verhältnis zum gegenwärtigen Problemhorizont des Emergenz- und Reduktionsbegriffs nach der kanonischen Formulierung von Jaegwon Kim. Zugleich beleuchtet sie zentrale Fragen der Forschung zu Hegels Naturphilosophie, etwa wieso Hegel sowohl in der Wissenschaft der Logik als auch in der Naturphilosophie das Leben behandelt oder worin das Verhältnis von Naturphilosophie und empirischen Kenntnissen über die Natur besteht. Der Band eröffnet damit neue Perspektiven auf Hegels Naturphilosophie und diskutiert ihre systematische Aktualität.