Zum Buch:
Sidonia Blättler, Frankfurt am Main Der Band versammelt die wichtigsten Aufsätze des gelernten Philosophen und praktizierenden Psychoanalytikers Joel Whitebook. In ihrer Zusammenstellung ergeben sie ein komplexes Bild seines Denkens, das in der Tradition der Frankfurter Schule kritische Gesellschaftstheorie mit der Erforschung psychodynamischer Prozesse zu verbinden sucht. Whitebooks Ausführungen über Adorno, Arendt, Foucault, Freud, Honneth, Kant, Loewald, Marx u. a. bieten sowohl konzise Einführungen in Schlüsselthemen der Gesellschaftskritik und Psychoanalyse als auch eine elaborierte Diskussion der spannungsvollen Auseinandersetzungen und Kontroversen zwischen Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie.
Ein durchgängiges Thema von Whitebooks Arbeiten ist die Asozialität unserer Triebnatur, das Unversöhnliche des Individuums, die innere Fremde. Diese widerspenstigen Tendenzen begründen seine Vorbehalte gegen die kommunikationstheoretische Wende der Kritischen Theorie, die seiner Auffassung nach zu einem sozialtheoretischen Konformismus führen kann, der die Idee der Unangepasstheit des Subjekts und des strukturellen Konflikts zwischen Individuum und Gesellschaft vernachlässigt. Demgegenüber betont er ein vorsoziales Potential der Negativität ein Potential des Widerstands und der Revolte ebenso wie der blinden Zerstörung , eine Art natürliche Aggressivität, die durch keine Sozialisation vollständig zu überwinden ist. Ein anderes widerständiges Moment liegt für Whitebook im Fortwirken des halluzinatorischen Strebens nach Omnipotenz auch im erwachsenen Menschen. Wenn Whitebook die Bedeutung menschlicher Existenz auf eine Weise untersucht, die dem modernen und aufgeklärten Selbstverständnis oft zuwiderläuft, dann nicht, um das Projekt der Aufklärung den Gedanken der individuellen Autonomie und das Ideal der Demokratie preiszugeben, sondern um es durch Anerkennung des Irrationalen einer permanenten offenen Befragung auszusetzen. Sidonia Blättler, Frankfurt am Main