
Im modernen Luftverkehr wachen unzählige redundante Sicherheitssysteme darüber, dass Flugzeuge im Himmel einen sicheren Abstand zueinander halten. Wenn diese Technologie und die menschliche Überwachung jedoch gleichzeitig kollabieren, sind die Folgen katastrophal. Im Juli 2002 kollidierten eine russische Passagiermaschine und ein Frachtjet der DHL in über 10.000 Metern Höhe über dem Bodensee. Alle 71 Insassen starben. Der Absturz war das Resultat einer beispiellosen Kette von infrastrukturellen Fehlern im schweizerischen Flugsicherungszentrum Skyguide. Wegen Wartungsarbeiten waren das primäre Radarsystem und die Telefonleitungen teilweise deaktiviert. Der alleingelassene, völlig überlastete Fluglotse bemerkte den Kollisionskurs zu spät. Als er schließlich Anweisungen gab, widersprachen diese direkt den automatischen Ausweichempfehlungen des bordinternen TCAS-Kollisionswarnsystems. Die russischen Piloten folgten dem Menschen, die DHL-Piloten der Maschine – was beide Jets auf einen tödlichen Schnittpunkt zwang. Dieses Buch analysiert die tödliche Schnittmenge von Mensch und Maschine. Sie untersuchen die Architektur der automatisierten Kollisionswarnsysteme, die psychologische Überforderung unter extremem Zeitdruck und die drastischen Veränderungen in der europäischen Luftraumüberwachung, die aus diesem Trauma hervorgingen. Erkunden Sie den blinden Fleck der Flugsicherheit. Verstehen Sie die fatalen Paradoxien, die entstehen, wenn menschliche Autorität und algorithmische Sicherheitssysteme auf tödliche Weise kollidieren.