Detail

Drucken

Milch ohne Honig

Autor
Harms, Hanna

Milch ohne Honig

Untertitel
Ab 12 Jahre
Beschreibung

Poesie und Wissenschaft, schließen sich diese beiden Betrachtungsweisen auf die Welt nicht eigentlich gegenseitig aus? Diese Frage beantwortet der Sach-Comic von Hanna Harms zum Thema Bienensterben, ganz eindeutig mit Nein. Milch ohne Honig ist ein Sammelsurium im positivsten Sinne, eine anschauliche Fundgrube für Fakten über unsere Welt, Ökosysteme und sogar über menschliche Staatsformen, die die Autorin anhand von unterschiedlichen Bienenstöcken minimalistisch veranschaulicht.

Trotz des eigentlich deprimierenden Themas, gelingt es Hanna Harms durch ihre umfassende Auseinandersetzung mit den Bienen, die kluge Auswahl von Fakten und betörend schöne Bilder Neugier zu wecken. Neugier ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit. Deswegen birgt Milch ohne Honig beides: Schatten der Zukunft und einen Hoffnungsschimmer.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Carlsen Verlag, 2022
Seiten
112
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-551-78108-6
Preis
20,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Hanna Harms, geboren 1994, ist Illustratorin und Comicautorin. Sie absolvierte die Münster School of Design mit einem Semester an der Bezalel Academy of Arts and Design Jerusalem. Derzeit studiert sie Illustration im Master. Sie ist Mitherausgeberin und Autorin des Comiczines »Sonder«. Ihr Projekt »Milch ohne Honig« wurde 2020 mit dem Ginco Award in der Kategorie »Best Non Fiction Comic« ausgezeichnet.

Zum Buch:

Poesie und Wissenschaft, schließen sich diese beiden Betrachtungsweisen auf die Welt nicht eigentlich gegenseitig aus? Diese Frage beantwortet Milch ohne Honig, ein Sach-Comic von Hanna Harms zum Thema Bienensterben, ganz eindeutig mit Nein.

Hier hat sich eine junge Illustratorin dem Verschwinden einer Spezies angenommen, ohne die unsere Welt eine graue Zukunft erwartet. Harms zeigt zu Beginn mit knappen Zeichnungen und noch knapperen Kommentaren den Zusammenhang zwischen der Evolution unterschiedlicher Insekten und den Blütenpflanzen auf, die erst nach und nach die urzeitlichen Landschaften der Gräser und Farne ergänzten. Wir lernen verschiedene Bienenarten, ihre Arbeitsweisen und Kommunikationsformen kennen. Jede der einzelnen Zeichnungen, die konsequent in schwarz, weiß und gelb gehalten sind, besticht durch ihre Eingängigkeit und Schlichtheit. Manchmal bräuchte es die wenigen Sätze fast gar nicht, um die starke Aussage der Bildsprache in Worte zu übersetzen.

Milch ohne Honig ist ein Sammelsurium im positivsten Sinne, eine anschauliche Fundgrube für Fakten über unsere Welt, Ökosysteme und sogar über menschliche Staatsformen, die die Autorin anhand von unterschiedlichen Bienenstöcken minimalistisch veranschaulicht.

Das Buch kann man auch als begeisterte Aufforderung lesen, die Welt der Natur, ihre Komplexität und inhärente Intelligenz zu entdecken. Nicht umsonst bedient sich die Wissenschaft der Bionik an vielen nahezu perfekten Mechanismen, die wir an Pflanzen und Tieren beobachten können. Der Mensch darf bei all seiner vermeintlichen Omnipotenz nicht vergessen, dass die Natur eine unschätzbar wichtige Lehrmeisterin ist. Sie braucht uns nicht, wir jedoch brauchen sie. Diese eindeutige Auffassung teilt auch Prof. Dr. Jürgen Tautz, Insekten-, Verhaltensforscher und Bienenexperte, der ein ausführliches und lesenswertes Nachwort geschrieben hat.

Die Menschheit hat es mit ihren nächsten Schritten zum Arten- und Klimaschutz in der Hand, darüber zu entscheiden, wie es mit Mensch und Tier weitergeht. Die in diesen Tagen in Montréal stattfindende 15. Weltnaturkonferenz sollte in unseren Nachrichten an erster Stelle stehen und nicht als Randnotiz behandelt werden. Sieht die Menschheit noch ein, dass sie sich selbst ihre Lebensgrundlage entzieht, wenn sie sich nicht den Grundbedürfnissen des Planeten zuwendet, sich um Artenschutz und das Klima kümmert?

Trotz des eigentlich deprimierenden Themas, das Hanna Harms zum Ausgangspunkt ihrer Bachelorarbeit genommen hat, gelingt es ihr durch ihre umfassende Auseinandersetzung mit den Bienen, die kluge Auswahl von Fakten und betörend schöne Bilder Neugier zu wecken. Neugier ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit. Deswegen birgt Milch ohne Honig beides: Schatten der Zukunft und einen Hoffnungsschimmer.

Der Sach-Comic der jungen Autorin gewann 2020 den Ginco Award als „Best Non Fiction Comic“ und eignet sich für umweltbewegte Jugendliche (oder solche, die es noch werden wollen) und Erwachsene.

Larissa Siebicke, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt