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Cover: Wilde Erbsen

Empfehlung von
Larissa Siebicke, Autorenbuchhandlung Marx & Co, Frankfurt am Main

Mariken Heitman

Wilde Erbsen

Roman. Aus dem Niederländischen von Christiane Burkhardt

In zwei Zeitebenen erzählt die niederländische Autorin Mareike Heitman von Elke und Ra. Elke ist Botanikerin und Saatgutzüchterin und wirft nach einem gescheiterten Kürbisprojekt, das sie in den vergangenen sieben Jahren vollständig ausgefüllt hatte, alles hin, um in das Haus ihres Onkels auf dem Land zu fahren und dort Erbsen „auszuwildern“.

Vor ein paar tausend Jahren gab es die mythische Person Ra, die, wenn auch aus anderen Gründen, mit ein paar Erbsenschösslingen aufgebrochen war, um ein neues Leben zu beginnen. Was die beiden verbindet, ist ein weiblicher Körper, dem es an Eindeutigkeit mangelt, genauso wie an dem inneren Wunsch, Frau zu sein. Elkes innere Dialoge mit der Frau, die sie nie geworden ist, drehen sich um gesellschaftliche Erwartungen und Zuweisungen, wie man als Frau vermeintlich zu sein hat: freundlich, biegsam, rasiert. Ra, die sich vor tausenden von Jahren einer Ackerbau treibenden Dorfgemeinschaft anschließen will oder viel eher muss, da ein Überleben als Individuum damals nicht möglich war, wird in ihrer Zwitterhaftigkeit nur deswegen toleriert, weil es in der Gemeinschaft eine steinerne Gottheit gibt, die in ihrer Beschaffenheit auch beide Geschlechter zu vereinen scheint.

Heitman, die Schriftstellerin und Biologin, setzt sich in Wilde Erbsen auf unterschiedlichen Ebenen mit der spannenden Suche nach Identität auseinander, die noch immer eng an körperliche Merkmale und gesellschaftliche Normen gekettet ist. Die enorme Vielfalt der Natur jedoch, in der es eindeutig männliche oder weibliche, aber auch selbstbestäubende Pflanzenarten – wie die titelgebenden Erbsen – und vieles dazwischen gibt, beweist, dass der Wunsch des Menschen nach Dualität zur Vereinfachung der Welt selbstgemacht ist.

Der niederländische Verlag Atlas Contact fasst den Roman als „eine surrealistische Suche nach Ursprung, Identität und Bedeutung“ zusammen. Meines Erachtens hat Mareike Heitman einen ganz besonderen Roman über menschliche Hybris im Bezug auf die Natur sowie auf Zuordnungen, Rollenbilder und Scham, diesen nicht zu entsprechen, aber auch die Möglichkeit einer Befreiung geschrieben. Die Autorin eröffnet damit einen auch zeitlich vielschichtigen Blick auf Queerness und demontiert das gesellschaftliche Konstrukt einer vermeintlich natürlichen Unterteilung der Welt in weiblich und männlich.

Verlag
Klett-Cotta
Erscheinungsdatum
2024
ISBN/EAN
978-3-608-98733-1
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
272
Preis
24,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Mariken Heitman (1983) studierte Biologie in Utrecht und arbeitete mehrere Jahre im Bereich der ökologischen Landwirtschaft. Im Januar 2019 erschien ihr viel gelobtes Debüt »The Aquatic Ape«. Es wurde für den Jan-Wolkers-Preis und die Bronzene Eule nominiert und stand auf der Shortlist für den Anton-Wachter-Preis. Ihr Roman »Worm Moon« wurde 2022 mit dem Libris Literature Prize ausgezeichnet.

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