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Cover: Magisch

Empfehlung von
Sara Mundt, Der andere Buchladen GmbH, Köln

Annika Büsing

Magisch

Roman

Marie ist zurück in ihrem Heimatdorf am Rand des Ruhrgebiets. Nachdem sie ihr Lehramtsstudium abgebrochen hat, betreibt sie eine Hundetagesstätte und lebt wieder in der Nähe ihrer Familie. Vieles scheint sich seit ihrer Jugend verändert zu haben, und doch ist einiges erstaunlich gleich geblieben. Als Paul Magisch nach fünfzehn Jahren ebenfalls zurückkehrt, ist die alte Vertrautheit sofort wieder da. Er war Maries bester Freund und ihre erste große Liebe. Zwischen Fanta-Korn, Pferdekoppeln und Erinnerungen kommen auch die alten Gefühle zurück –  und mit ihnen die Konflikte, die die beiden einst getrennt haben.

Dies ist die Ausgangssituation einer Geschichte, die sich schnell als weit mehr als eine Liebesgeschichte erweist. Die Autorin verbindet die Beziehung zwischen Marie und Magisch mit einem Blick auf Familie, Herkunft und politische Gegensätze. Im Zentrum steht dabei Marie, die ihre eigene Vergangenheit ebenso neu betrachten muss wie ihre Beziehung zu ihrem Bruder Andi. Der ist politisch weit nach rechts gerückt, in einer Partei aktiv und hat Magisch bereits früher schwer verletzt, physisch wie psychisch. Als Magisch erneut bedroht wird, stellt sich für Marie deshalb nicht nur die Frage nach ihrer alten Liebe, sondern auch die, wie viel Nähe innerhalb einer Familie noch möglich ist.

Eine besondere Stärke des Romans liegt in seiner Sprache. Annika Büsing schreibt direkt, trocken und mit einem derben Humor, der selbst schwierige Situationen immer wieder überraschend leicht wirken lässt. Schon der erste Satz: „Tote Pferde kriegt man kaum noch los“, gibt den Ton vor. Das Komische und das Ernste liegen immer dicht beieinander. Die Geschichte handelt von politischen Konflikten, Gewalt, verworfenen und enttäuschten Lebensentwürfen, erzählt davon aber ohne Schwere. Gerade diese Mischung macht den Roman so eigenwillig und lebendig.

Die Protagonist*innen profitieren sehr von dieser Erzählhaltung. Marie ist keine klassische Heldin und Magisch mehr als die romantische Figur aus der Vergangenheit. Während sie Entscheidungen getroffen hat, die sie selbst oft nicht nachvollziehen kann, und nun versucht, mit den Folgen zu leben, erhält Magisch mit seiner gescheiterten Musikerkarriere, seiner Rückkehr ins Dorf und seinem eher ungewöhnlichen Job seine eigene Geschichte. Beide Figuren verbindet dabei vor allem das Gefühl, irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart festzustecken.

Über die Geschichte der beiden hinaus interessiert sich Magisch für die politischen Spannungen, die in eine Familie hineinreichen können. Andi ist nicht einfach nur der politische Gegensatz zu Marie und Magisch. Annika Büsing erzählt auch von der familiären Verbindung zwischen den Geschwistern und fragt, was von dieser Verbindung übrig bleibt, wenn politische Überzeugungen unvereinbar werden. Die sogenannte Brandmauer wird dadurch nicht nur zu einer politischen, sondern auch zu einer persönlichen Frage. Wie weit kann man einem Menschen entgegenkommen, dessen Haltung man ablehnt? Wo beginnt die Grenze, die nicht überschritten werden darf?

Gerade hier vermeidet Annika Büsing einfache Antworten. Marie und Andi bleiben Geschwister, obwohl sie sich politisch und menschlich voneinander entfernt haben. Sie streiten, verletzen einander und finden dennoch Momente der Nähe. Der Roman macht daraus kein Plädoyer für Harmonie, sondern zeigt glaubhaft die Schwierigkeit, mit politischen Gegensätzen im eigenen Umfeld zu leben. Die gesellschaftliche Ebene bleibt dabei eng mit den privaten Beziehungen verbunden.

Daneben entwickelt die Autorin einen ganz eigenen Blick auf das Leben im ländlichen Ruhrgebiet. Tiere, Bauernhöfe, Hunde, Pferde und die Menschen im Dorf werden mit der gleichen Aufmerksamkeit betrachtet wie die großen Fragen nach Liebe, Herkunft und politischer Haltung. Das vermeintlich Kleine bekommt dadurch Gewicht. Aus einer Geschichte über zwei Menschen, die sich nach Jahren wiederfinden, entsteht ein Roman über das Zurückkehren, das Erwachsenwerden und die Frage, was „Heimat" eigentlich bedeutet.Magisch ist damit eine wunderbar gelungene Mischung aus Liebesgeschichte, Familien- und politischem Gegenwartsroman. Annika Büsing erzählt von Menschen, die ihre Vergangenheit nicht einfach hinter sich lassen können und lernen müssen, mit den Widersprüchen ihres Lebens umzugehen. Dabei schreibt sie witzig und direkt, ohne ihre Figuren auf ihre politischen oder persönlichen Konflikte zu reduzieren. So entsteht ein zugänglicher und vielschichtiger Roman über Liebe, Familie und die schwierige Frage, wie viel Nähe zwischen Menschen möglich bleibt, wenn ihre Weltsichten auseinanderdriften.

Verlag
S. Fischer
Erscheinungsdatum
2026
ISBN/EAN
978-3-10-397744-8
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
288
Preis
24,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Annika Büsing, geboren 1981, lebt in Bochum, wo sie an einem Gymnasium unterrichtet. Sie hat evangelische Theologie und Germanistik in Dortmund studiert und einige Zeit auf Island und in Hamburg verbracht. Für ihren ersten Roman "Nordstadt" (2022) wurde sie mit unter anderem mit dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet.

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