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Cover: Feuer

Empfehlung von
Caro Geißler, Autorenbuchhandlung Marx & Co, Frankfurt am Main

Aleš Šteger

Feuer

Roman. Aus dem Slowenischen von Matthias Göritz

In dem Roman erzählt Aleš Šteger die Lebensgeschichte einer Frau – Zora – deren Leben durch Krieg, politische Umbrüche, den Aufbau und Zerfall Jugoslawiens geprägt ist. Das Buch ist an die Biografie von Štefka Cobelj angelehnt, einer Ethnologin, die wie auch die Protagonistin des Romans in den 1920er Jahren in einem kleinen Ort in Slowenien geboren wurde. In ihrem Leben spiegeln sich viele politischen Ideen, aber auch Abgründe des 20. Jahrhunderts wider.

Zora wächst in einer religiösen katholischen Familie auf, die Familienbeziehungen sind nicht nur durch die Traumata des Vaters angespannt, der im ersten Weltkrieg gekämpft hat. Als die Deutschen in Slowenien einmarschieren, schließt sich Zora den Partisanen an und stößt damit in ihrer Familie auf Ablehnung. Sie überlebt den Krieg schwer traumatisiert, hält aber am Leben fest und beginnt über mehrere Umwege und Rückschläge eine Ausbildung und ein Studium in Belgrad. Sie arbeitet im Kulturbereich und bereist als gebildete, vielsprachige Ethnologin viele Länder, um dort das kulturelle Rahmenprogramm vor den Staatsbesuchen Titos vorzubereiten.

Zora ist eine Frau mit Idealen, sie kämpft für die Freiheit und Gleichheit und glaubt an die sozialistischen Werte Jugoslawiens. In diesem Sinne ist sie sehr patriotisch und Mitglied der Kommunistischen Partei. Mit viel Pathos beschreibt Šteger sie als Heldin des Romans ohne aber eine ungebrochene oder romantisierte jugoslawische Heldengeschichte daraus zu machen. Immer kontrastiert er Zoras Ideale mit der Geschichte Jugoslawiens, die die Abkehr von Idealen wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit und schließlich auch den Zerfall des sozialistischen Staates beinhaltet.

Zoras Leben ist von vielen Momenten der Gewalt, des Scheiterns und der Enttäuschung gezeichnet. Sie muss durch das Feuer gehen, das alles niederbrennt, was ihr wichtig ist und mühsam von ihr aufgebaut wurde. Das Feuer wird zunächst durch die Deutschen entfacht, die gewaltvoll niederbrennen und vernichten. Später sind es jedoch die eigenen Parteigenossen, die sie verraten und das sozialistische System korrumpieren. Zugleich trägt sie selbst aber auch ein Feuer in sich, das sie antreibt, nach Rückschlägen aufzustehen und von vorne zu beginnen.

Ein weiteres spannendes Motiv im Buch ist die Praxis des Erinnerns. Als Ethnologin befasst sich Zora mit Sprachen, Kulturen und Objekten, die an Vergangenes erinnern sollen. Sie baut Sammlungen auf und möchte die Geschichte bewahren. Doch auch bei der Vermittlung der Vergangenheit droht sie zu scheitern angesichts einer jüngeren jugoslawischen Nachkriegsgeneration, die für Aufbruch und Veränderung steht und sich nicht für die vergangenen antifaschistischen Kämpfe und Ideale zu interessieren scheint.

In Feuer beschreibt Šteger auf eindrückliche Weise nicht nur das Leben einer starken und eigenwilligen Frau mit ungebrochenen Idealen, sondern geht auch der Frage nach, was es braucht, um Erinnerungen zu bewahren. Damit trägt der Autor selbst zum Erinnern an das eindrucksvolle Leben von Štefka Cobelj bei.

Verlag
Wallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch
Erscheinungsdatum
05.08.2026
ISBN/EAN
9783835361447
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
218
Preis
24,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Aleš Šteger, geb. 1973, ist der bekannteste slowenische Autor seiner Generation und lebt in Ljubljana. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaften und Germanistik, reiste viel und debütierte 1995 mit einem Lyrikband. Darauf folgten weitere Gedichtbände, Romane und Essays, seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Aleš Šteger ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, sowie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zuletzt erschienen: Das Lachen der Götter, Erzählungen (2023); Atemprotokolle, Gedichte (2023); Neverend, Roman (2022)

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