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Cover: Der Staubleser

Empfehlung von
Ralph Wagner, Frankfurt am Main

Josef Brainin

Der Staubleser

Roman

Alfred betreibt ein recht gut gehendes Antiquitätengeschäft in Wien. Ein Großteil seiner Arbeit besteht darin, im Auftrag der Hinterbliebenen die Wohnungen Verstorbener zu räumen. Staub ist somit „ein wichtiger Teil seines Geschäfts“. Mit Staub kennt Alfred sich aus. Obendrein kann er sich auf Grund von Beschaffenheit, Zustand und Ausstattung der verschiedenen Wohnungen in die Leben der Verstobenen hineinfühlen. In den Hinterlassenschaften findet er Objekte, die er aufarbeiten lässt, um sie später in seinem Geschäft zu verkaufen. Alfred ist Antiquitätenhändler aus Leidenschaft. Er liebt seinen Beruf und die schönen alten Dinge, mit denen er sich gern umgibt. Er hat vollendete Manieren und legt großen Wert auf eine gepflegte Erscheinung – ein nicht zu unterschätzendes Kapital in diesem Beruf. Seine Kundschaft schätzt seine Seriosität und seinen Sachverstand.

Alfred liebt aber auch schöne Frauen und hatte schon mit so mancher Kundin eine Affäre. Durch seine letzte Eroberung, Frau Kommerzialrat Christiane Muthmayer, erhält Alfred endlich auch Zugang zur feinen Wiener Gesellschaft, und die Geschäfte entwickeln sich umso prächtiger. Er plant sogar, sein Geschäft an einen lukrativeren Standort zu verlegen und zu vergrößern, denn der Herr Kommerzialrat bietet Alfred nicht nur das Du, sondern auch finanzielle Unterstützung bei der Verwirklichung seiner Träume an. Als Alfred sich jedoch in die Tochter des Hauses verliebt und die beiden bekannt geben, heiraten zu wollen, ändert sich die Situation schlagartig. Die Ehebrecherin Christiane beginnt einen systematischen Rachefeldzug gegen ihren treulosen Geliebten; dass ihr einziges Kind sich mit einem Juden verheiratet, wird sie keinesfalls erlauben. Und plötzlich kommt zum Vorschein, was Alfred für vergangen und überwunden hielt: Antisemitismus und antijüdische Ressentiments.

Da taucht eines Tages die reizende ältere Dame Betty Silver in seinem Geschäft auf. Sie lebt wie Alfreds Schwester in den USA und hatte von dieser den Tipp bekommen, dass Alfred ihr bei der Wiederbeschaffung eines von den Nazis aus dem Familienbesitz geraubten Bildes helfen könnte. Betty ist sagenhaft reich, und Alfred sieht die Möglichkeit, aus seiner Misere herauszukommen. Nach anfänglichem Zögern entschließt er sich, Bettys Auftrag anzunehmen. Bei seinen Nachforschungen nach dem gestohlenen Bild sticht Alfred unvermutet in ein Wespennest aus Sammlern illegal oder zumindest unter dubiosen Umständen erworbener Kunstgegenstände und deren Helfer. In der Folge gerät er in einen Strudel von Ereignissen, die sein Leben gehörig durcheinander wirbeln.

Der Staubleser ist großes Lesevergnügen und ein spannender Roman über ein Stück verdrängter österreichischer Geschichte: den planmäßigen Kunstraub der Nazis bei jüdischen Familien und die Nichtverfolgung der Täter nach dem Krieg, aber auch über einen Berufszweig, bei dem unsaubere Praktiken offenbar nicht selten vorkommen. Josef Brainin ist ein genauer Beobachter, der Vergnügen an der Sprache hat. Brillante Formulierungen, präzise gezeichnete Charaktere, ein Spiel mit Klischees und ein hintersinniger Witz zeichnen diesen luftig daher kommenden Roman aus, der es in sich hat.

Verlag
Braumüller Literaturverlag
Erscheinungsdatum
2013
ISBN/EAN
978-399200-081-4
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
296
Preis
21,90 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Josef Brainin, geboren 1950 in Wien. Nach vielen Jahren in der IT-Branche, im Bereich Corporate Communications, setzt er das präzise Beschreiben von Zuständen und Prozessen mit einer anderen Sprache und ­anderen Inhalten fort. Dazwischen immer wieder Über­setzungen, Fachartikel, Texte und Lyrik.

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