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Cover: Guter Junge

Empfehlung von
Ralph Wagner, Frankfurt am Main

Paul McVeigh

Guter Junge

Roman. Aus dem Englischen von Nina Frey und Hans-Christian Oeser

Michael Donnelly, genannt Mickey, ist zehn Jahre alt und hat keine schöne Kindheit. Zum einen – und da ergeht es ihm nicht anders als den meisten Kindern aus katholischen Familien im Belfast der 1980er – ist sein Alltag von Armut und Gewalt geprägt: In den Straßen herrscht ein blutiger Krieg zwischen der IRA, protestantischen Kämpfern und britischen Soldaten. An jeder Ecke kann der Tod lauern. Nur wer in dem Belagerungszustand der Konfessionen sein durch Sperren und Checkpoints abgeriegeltes Viertel nicht verlässt, ist einigermaßen sicher. Aber auch Mickeys familiäre Situation ist trostlos: der Vater ein arbeitsscheuer brutaler Alkoholiker, die Mutter überfordert und verzweifelt. Sie reibt sich dabei auf, die vier Kinder irgendwie über die Runden zu bringen. Mickey hasst seinen Vater, der die geliebte Mama schlägt und ihr sauer verdientes Geld stiehlt, um es mit seinen Kumpanen zu versaufen. Zum anderen hat Mickey es aber auch besonders schwer, weil er anders ist als die Jungs in Ardoyne, seinem Viertel. Mickey ist ein "guter Junge". Er ist intelligent und fleißig in der Schule, kümmert sich um seine kleine Schwester und versucht, seiner Mutter zu helfen, wo er kann. Dafür wird er von den Kindern aus Ardoyne verspottet und gedemütigt. Von ihren oft brutalen Spielen schließen sie ihn aus. Der sensible Junge ist hin und her gerissen: einerseits möchte auch er akzeptiert werden und dazugehören, andererseits fühlt er sich von den rüden Umgangsformen und der Gnadenlosigkeit der anderen Kinder abgestoßen. Allein seine Phantasie und Tagträumereien helfen ihm, sich aus seiner Tristesse in eine bessere Zukunft zu imaginieren und auch daran zu glauben, dass diese eines Tages Wirklichkeit wird.

Der Roman umfasst einen Zeitraum von neun Wochen, die Dauer der Sommerferien, und er beginnt mit Mickeys letzten Tagen auf der Grundschule und der für ihn unfassbaren Mitteilung, dass er doch nicht auf eine private, weiterführende Schule wird gehen können - seine Eltern könnten das nicht finanzieren. Somit scheint sein großer Traum vom Entkommen durch Bildung geplatzt, obwohl er die Aufnahmeprüfung so gut bestanden hatte. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres endet die Geschichte mit einer überraschenden Wendung, die Mickey selbst herbeiführt.

Paul McVeigh erzählt in seinem traurig-schönen Buch konsequent aus der Perspektive des kleinen Jungen. Er macht dies sehr überzeugend, mit großem Einfühlungsvermögen, und hält sowohl die Sprache als auch den Vorstellungshorizont des Kindes durch. Dadurch entsteht eine in sich stimmige Perspektive des Zehnjährigen. "Guter Junge" ist das wunderbare Porträt eines kleinen, sehr starken Jungen, der trotz übler Bedingungen nie die Hoffnung verliert, der für seine Zukunft kämpft und sich auf seinem Weg nicht beirren lässt.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Wagenbach Verlag
Erscheinungsdatum
2016
ISBN/EAN
978-3-8031-3279-6
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
256
Preis
22,00 €
Status
wird nicht mehr geliefert

Zur Autorin / Zum Autor

Paul McVeigh in Belfast geboren, hat zahlreiche Comedy-Serien geschrieben und leitet das Londoner Short Story Festival. Guter Junge ist sein Debütroman, der für den alternativen »Not the Booker Prize« des Guardian nominiert wurde.

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