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Autor
Greiner, Bernd

Henry Kissinger

Untertitel
Wächter des Imperiums
Beschreibung

Henry Kissinger. Ehrgeiziger Karrieremacher, hervorragender Historiker, Intrigant und Ränkeschmied, skrupelloser Kalter Krieger und allseits gefürchteter Choleriker. Kein anderer hat die US-Außenpolitik der 70er und 80er Jahre derart geprägt wie dieser Wächter des Imperiums. Dies ist die herausragende Biografie eines Getriebenen, der nicht allein das Wohl einer Nation in den Vordergrund stellte – sondern stets auch sein eigenes.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
C.H.Beck Verlag, 2020
Format
Gebunden
Seiten
480 Seiten
ISBN/EAN
978-3-406-75566-8
Preis
28,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Bernd Greiner ist Gründungsdirektor und Mitarbeiter des «Berliner Kollegs Kalter Krieg». Er lehrte Außereuropäische Geschichte an der Universität Hamburg und leitete bis 2014 den Arbeitsbereich «Geschichte und Theorie der Gewalt» am Hamburger Institut für Sozialforschung.

Zum Buch:

1923 auf den Namen Heinz Alfred in Fürth geboren, gilt der mittlerweile hochbetagte Henry Kissinger als eine der wohl schillerndsten Figuren im Pantheon US-amerikanischer Politikgrößen – an dem sich bis heute die Geister scheiden. Für die einen ist der Sohn eines sich zum streng orthodoxen Judentum bekennenden Mathematiklehrers nach wie vor der brillante Historiker und Strippenzieher der US-amerikanischen Außenpolitik der siebziger und achtziger Jahre, für andere wiederum ein polternder Choleriker, Intrigant und Kriegsverbrecher, dem vor, während und nach seiner Amtszeit nichts mehr daran lag, als sich selbst in den Vordergrund zu stellen.

Nachdem die Familie 1938 Nazi-Deutschland verlassen hatte, studierte der hochintelligente Kissinger zunächst in Harvard, wo er seinem zukünftigen Mentor und Förderer William Elliott begegnete, einem der zur damaligen Zeit wohl streitbarsten Verfechter des Kalten Krieges. Durch seine Fähigkeit, sich anzupassen und seine Dienste stets dem für ihn aussichtsreichsten Kandidaten zur Verfügung zu stellen, erklomm Kissinger in kürzester Zeit die Karriereleiter, wurde zunächst Berater Kennedys und wechselte nach dessen Ermordung ohne auch nur einen Moment des Bedenkens ins Lager der Republikaner, wo er unter Nixon zuerst als Sicherheitsberater und schließlich als Außerminister tätig war.

Für ihn galt in erster Linie, den Erzfeind UdSSR in die Schranken zu weisen und die Vorherrschaft der USA mit allen Mitteln zu festigen. Dabei war ihm alles recht, selbst die Androhung eines „begrenzten Atomkriegs“. Dass er damit zum Steigbügelhalter von Diktatoren wie Augusto Pinochet wurde, war in seinen Augen vertretbar und daher nicht vordergründig von Belang.

In seiner herausragend geschriebenen Biografie zeichnet der Historiker Bernd Greiner das Bild eines von Geltungssucht getriebenen Mannes nach, dessen Kaltherzigkeit ebenso legendär war wie seine Ränkespiele oder die wiederkehrenden Verbalausbrüche, mit denen er seine Mitarbeiter regelmäßig in die Flucht schlagen konnte, wovon besonders die Abhörbänder der Gespräche im Oval-Office zeugen, die auf Drängen des Senats 1974 herausgegeben werden mussten. Wer sich über die Außenpolitik der USA nach Ende des Zweiten Weltkriegs informieren möchte, kommt um dieses einzigartige Buch nicht herum.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln