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Autor
Chiellino, Gino (Hg)

Kalabrien

Untertitel
Reihe Europa Erlesen
Beschreibung

Vom Ritter aus Kalabrien bis zu den Riten der Postmoderne – der kalabresische Dichter Chiellino hat eine faszinierend bunte Textmischung von Homer und Seneca über Swinburne und August von Platen bis zu Cesare Pavese, Ingeborg Bachmann und Kazimiera Alberti zusammengetragen, die Seele und Geschichte dieses landschaftlichen Paradieses im Süden Italiens durchmisst.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Wieser Verlag, 2020
Format
Gebunden
Seiten
300 Seiten
ISBN/EAN
9783990293430
Preis
14,95 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Gino Chiellino: geboren 1946 in Kalabrien. Lebt seit 1970 in Deutschland. Als deutschsprachiger interkultureller Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Essayist und Übersetzer hat er Wesentliches zur Entstehung der interkulturellen Literatur und Literaturwissenschaft in der deutschen Sprache beigetragen. Zuletzt sind von ihm erschienen: der Roman “Der Engelfotograf. Eine Kindheit in Kalabrien” (2016), die Gedichtsammlung “Die Sehnsucht der Seerose nach der Libelle” (2017) und der Essayband “Freie Platzwahl” (2018).

Zum Buch:

Vom Ritter aus Kalabrien bis zu den Riten der Postmoderne – der kalabresische Dichter Chiellino hat eine faszinierend bunte Textmischung von Homer und Seneca über Swinburne und August von Platen bis zu Cesare Pavese, Ingeborg Bachmann und Kazimiera Alberti zusammengetragen, die Seele und Geschichte dieses landschaftlichen Paradieses im Süden Italiens durchmisst.

Man wird trunken von den Namen der blühenden und fruchttragenden Pflanzen, die hier gedeihen: Bergamotte, Jasmin, Maulbeerbaum, Feigenkaktus und Artischocke, Mönchspfeffer, Oleander, Absinth, wilder Fenchel, wolliges Brandkraut und Agave. Schon in den historischen Reiseberichten und Briefen des 18. und 19. Jahrhunderts von Johann Hermann Riedesel und Leopold von Stolberg verweilt das Auge nur allzu gern auf den großen Feldern mit „Pomeranzen, Ölbäumen und Citronen“.

Doch auch die Armut der Landbevölkerung ist durchgängig Thema in den Reiseberichten, und das bereits vor dem verheerenden Erdbeben von 1783. Sie konnte schon von Casanova nicht übersehen werden, hätte er auch lieber in der Schönheit des ausonischen Meeres geschwelgt. Aufgrund des mangelnden Komforts – keine Bibliothek, kärgliche Fastenspeisen, ein schlechtes Bett und: „Welche häßlichen Weiber!“ – macht sich der 18-Jährige denn auch schnellstmöglich auf nach Neapel.

Diese Anthologie ist nicht nur eine Reise bis zu den Zehenspitzen des italienischen Stiefels, sie durchmisst fast 3000 Jahre europäische Geschichte und hat neben den landschaftlichen und literarischen Genüssen auch die ökonomische Entwicklung der Region fest im Blick. Kalabrien und den Kalabresen, die in jüngsten Jahren zu einer eigenen, neuen Form der Bewirtschaftung dieses fruchtbaren Agrarlandes gefunden haben, muss heute mehr als nur „der Gemeinplatz des armen, notstandsgeprägten bäuerlichen Südens“ (Mario Fortunato) zugestanden werden. Eine in jeder Hinsicht anregende Lektüre!

Susanne Rikl, München