
Spinnen und Weben sind sehr alte Handwerksberufe. Im 19. Jahrhundert wurden die Verfahren zur Herstellung von Stoffen revolutioniert: die industrielle Produktion begann, Fabriken entstanden. Die Spinnweberei Uhingen-Waldkirch, kurz SWU, ist Teil dieser Geschichte. Das Buch über die SWU betrachtet die Entwicklung des Unternehmens nicht allein industriehistorisch, vielmehr auch in sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive. Als Alltagsgeschichte der Arbeit in einem Textilbetrieb beschreibt es Arbeitsbedingungen und Löhne, Betriebsfeste und Ausflüge. Die SWU-Historie ist zudem eine deutsch-jüdische Geschichte. Die Gründer – Mitglieder der Familie Rothschild – waren jüdischer Herkunft. Das Unternehmen wurde „arisiert“ und die Rothschilds flohen aus Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte der ehemalige Haupteigentümer Hans Rothschild zurück, um die Firmenleitung wieder aufzunehmen. Er starb 1969 und vererbte seine Anteile an die junge Augenärztin Hella Richert. Den beiden – Hans Rothschild und Hella Richert – sowie den Generationen von Textilarbeiterinnen und -arbeitern ist das Buch gewidmet